Ghismonda und Guiscardo.
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Augen sah, in den Meinigen angethan hast." Guiscardoantwortete ihm auf diese Worte weiter nichts, als: „Liebevermag um Vieles mehr, als Ihr und ich."
Daraus befahl Tancredi, daß er in aller Stille ineinem benachbarten Zimmer bewacht werde, und so ge-schah es; Tancredi aber ging, nachdem er viel und man-cherlei Vorhaben durchdacht hatte, am andern Tage, bevorGhismonda von dem Geschehenen das Mindeste erfahren,seiner Gewohnheit zufolge, nach Tische aus das Zimmerseiner Tochter, ließ sie zu sich rufen, schloß sich mit ihrein und sagte dann unter Thränen: „Ghismonda, ichglaubte Deiner Tugend und Ehrbarkeit so gewiß zu sein,daß ich, von wem es mir auch gesagt worden wäre, hatteich es nicht mit eigenen Augen gesehen, mir niemals hatteträumen lassen, Du könntest nur daran denken, Dicheinem Manne, der Dir nicht angetrant wäre, zu ergeben,geschweige denn, Du wärest fähig, es wirklich zu thun.Daß es nun dennoch geschehen ist, wird mir den kurzenRest von Leben, den mein Alter mich noch erwarten laßt,auf immer verbittern. Wollte Gott nur wenigstens, daß,wenn Du einmal zu solcher Sittenlosigkeit herabsinkensolltest, Du Dir einen Mann erwählt hattest, der DeinemAdel geziemend gewesen wäre; so aber hast Du unter soVielen, die an meinem Hofe sich aufhaltcn, Dir denGuiscardo, einen Menschen vom niedrigsten Stande, deran unserm Hofe so zu sagen, aus bloßem Erbarmen bisauf den heutigen Tag ernährt worden ist, ausgewählt undmich dadurch in die größten Sorgen gestürzt, da ich nichtweiß, was ich nach dem Geschehenen mit Dir anfangensoll. Ueber Guiscardo, den ich diese Nacht, als er ausdem Luftlochs der Höhle schlüpfte, fest nehmen ließ undgefangen halte, stehen meine Vorsätze bereits fest; wasaber aus Dir werden soll, mag Gott wissen, denn ichweiß es nicht. Aus der einen Seite bewegt mich die Liebe,die ich von jeher zärtlicher für Dich empfunden habe, alsje ein Vater für seine Tochter, auf der andern erregt mich