Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
14
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14 Vierter Tag. Erste Geschichte.

niedergelassen, und der alte Fürst setzte sich in eine Eckezu Füßen des letztem auf einen Schemel, lehnte dasHaupt ans Bette, zog den Vorhang über sich, als hatteer sich absichtlich verbergen wollen, und schlief ein.

Wahrend er noch schlief, verließ Ghismonda, die zuihrem Unglück eben an jenem Tage den Guiscardo zusich beschicken hatte, ihre zwei Gesellschafterinnen, kehrteleise in ihr Zimmer zurück, verschloß es hinter sich, undöffnete, ohne zu bemerken, daß Jemand da sei, demGuiscardo, der sie bereits erwartete, die Thür. Wie Beidenun, ihrer Gewohnheit nach, sich zusammen niederlegtenund miteinander scherzten und sich ergötzten, geschah es,daß Tancredi erwachte und Dem, was Guiscardo undseine Tochter miteinander Vornahmen, zuhörte und zusah.Tief ergrimmt darüber, wollte er zuerst seinen Zorn so-gleich gegen sie ausschütten, dann aber zog er es vor, zuschweigen und wo möglich verborgen zu bleiben, umspater mit größerer Ueberlegung und geringerer Schandefür sich selbst, Das auszusühren, was zu thun ihm be-reits dunkel vorschwebte. Die beiden Liebenden bliebennach gewohnter Weise lange Zeit beieinander und wurdenTancredi noch immer nicht gewahr. Endlich standen sieauf, Guiscardo kehrte in die Höhle zurück, und die jungeDame verließ das Zimmer. Darauf ließ Tancredi, ob-gleich er schon alt war, sich aus einem Fenster des Zim-mers in den Garten hinunter und erreichte, ohne vonJemand beobachtet worden zu sein, mit tödtlichem Gramim Herzen, sein Zimmer.

In der folgenden Nacht wurde Guiscardo auf seinenBefehl, als er um die Zeit des ersten Schlafes aus jenemLuftloche schlüpfen wollte, verpanzert mit dem ledernenKoller wie er war, von zwei Reisigen gefangen und heim-lich vor Tancredi geführt. Als dieser ihn ansichtig wurde,sagte er ihm, fast bis zu Thränen erschüttert:Guiscardo,meine Güte gegen Dich hat den Schimpf und die Schandenicht verdient, die Du mir, wie ich heute mit eigenen