Ghismonda und Guiscardo.
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Schlingen zurecht, um daran hinabzusteigen, zog einenledernen Koller an, der ihn vor den Dornen schützen sollte,und machte sich dann, ohne Jemanden ein Wort wissenzu lassen, in der nächsten Nacht auf den Weg nach jenemLuftloch. Hier befestigte er das eine Ende des Strickesan einen kräftigen Stamm, der hart am Rande stand,ließ sich alsdann in die Höhle hinab und erwartete dieDame. Diese stellte sich am andern Tage, als wolle sieschlafen, hieß ihre Gesellschafterinnen sie verlassen und er-öffnet«!, nachdem sie sich eingeschlossen, die Thür zur Höhle,in der sie ihren Guiscardo fand. Beide begrüßten sichmit unbeschreiblicher Freude, gingen bann miteinander indas Zimmer und verbrachten dort den größten Theil desTages unter dem lebhaftesten beiderseitigen Ergötzen. Alssie darauf sorgfältige Abrede getroffen, wie sie ihre Liebefernerhin geheim halten wollten, kehrte Guiscardo in dieHöhle zurück, und die junge Dame suchte, nachdem siedie Thür verschlossen, ihre Gesellschafterinnen wieder auf.Guiscardo aber kletterte die folgende Nacht an seinemStricke empor, kroch aus dem Lustloche, durch das er ge-kommen war, wieder heraus und ging nach Hause.
Wie er nun den Weg einmal gesunden hatte, legteer ihn im Verlaufe der Zeit noch oft auf dieselbe Weisezurück. Endlich aber verwandelte das Schicksal, das denLiebenden so lange und so große Freuden nicht gönnte,durch ein trauriges Ereigniß ihre Glückseligkeit in Jammerund Thränen. —
Tancredi pflegte zuweilen ganz allein in das Zimmerseiner Tochter zu kommen, eine Zeit lang bei ihr zu bleibenund mit ihr zu sprechen und dann wieder zu gehen. Sokam er denn auch eines Tages nach Tische, als die jungeDame, deren Name Ghismonda war, mit ihren Gesell-schafterinnen im Garten verweilte, herunter in ihr Zimmer,ohne daß ihn Jemand gehört oder gesehen hätte. Als ersie nicht fand, wollte er ihr Vergnügen nicht unterbrechen;die Fenster waren verschlossen und die Vorhänge des Bettes