12 Vierter Tag. Erste Geschichte.
zünden machen." Guiscardo nahm es hin und erriethbald, daß sie es ihm nicht ohne Ursache gegeben und alsodabei gesprochen haben werde. Demzufolge entfernte ersich sogleich und ging damit nach Hause, besah das Rohrund zerbrach es, wie er es gespalten fand. Als er nuninnen ihren Brief entdeckt, ihn gelesen und die darin ent-haltenen Vorschläge wohl in sich ausgenommen hatte, wurdeer so froh wie kein Anderer und begann sogleich ins Werkzu richten, was nöthig war, um auf die angegebene Weisezu ihr zu gelangen.
Hart an dem fürstlichen Palaste war schon vor un-denklichen Zeiten eine Höhle in den Felsen gehauen, dievon einem künstlich durch die Wand des Felsens getrie-benen Luftloche einiges Licht empfing. Weil indeß dieHöhle selbst vernachlässigt war, hatten aufgeschossene Dor-nen und Sträuche auch jenes Luftloch fast gänzlich ver-deckt. In diese Höhle nun konnte man durch eine ge-heime Treppe, die sich in einem der von der Dame imErdgeschoß bewohnten Zimmer des Palastes befand, ge-langen, obgleich der Eingang mit einer starken Thür ver-schlossen war. Auch war von der Treppe seit so undenk-lichen Zeiten kein Gebrauch gemacht, daß sie dem Ge-dächtnisse Aller im Schlosse so gut wie entfallen war, undkaum Einer sich erinnerte, daß sie vorhanden sei, dennochaber hatte die Liebe, deren Auge das Verborgenste gewahrwird, sie in das Andenken der liebenden Dame zurückge-rufen. Damit indeß Niemand das Mindeste gewahr würde,hatte sie Tage lang mit den Werkzeugen, die ihr zurHand waren, allein sich abgemüht, die Thür zu öffnen;dann war sie in die Höhle gegangen, hatte sich jenes Luft-loch angesehen und dem Guiscardo geschrieben, daß ersuchen möge, dort herunter zu kommen, und zu diesemEnde ihm auch angegeben, wie tief es ungefähr von dortbis auf den Boden sein könne.
Zur Ausführung dieses Planes machte sich Guiscardoin aller Eile einen Strick mit allerhand Knoten und