Alibech in der Lhcbaide. 331
Nacht ward, ein Bettchen von Palmenlaub und hieß ihr,sich darauf niederzulegen.
Als dies geschehen war, säumten die Versuchungennicht eben lange, die Standhaftigkeit des Einsiedlers zubekämpfen. Wie dieser sich aber von jener gar bald völligim Stiche gelassen sah, wandte er, ohne viel Angriffe ab-zuwarten, dem Feinde den Rücken und ergab sich als be-siegt. So ließ er denn die heiligen Gedanken, die Gebeteund Geißelungen ganz bei Seite liegen und rief sich da-für die Jugend und die Schönheit des jungen Mädchensins Gedächtnis und sing zugleich an, darüber nachzuden-ken, was für Mittel und Wege er ergreifen solle, umzum Ziele zu gelangen, damit sie nicht gewahr werde, erstrebe, als ein unkeuscher Mensch, nach Dem, was er vonihr begehrte. Zu dem Ende richtete er allerhand Fragenan sie, durch die er erfuhr, sie habe noch nie einen Manngekannt und sei so einfältig, als sie aussah. Deshalb be-schloß er, unter dem Scheins des Gottesdienstes sie seinenWünschen folgsam zu machen.
Zuerst setzte er ihr nun mit vielen Worten auseinan-der, ein wie arger Feind des lieben Gottes der Teufel sei,und wie man durch nichts Gott so lieb werden könne, alswenn man den Teufel heim in die Hölle schicke, in dieunser Herrgott ihn verbannt habe. Das Mädchen fragteihn, wie man das anfange. Rusticus antwortete ihrdarauf: „Das sollst Du bald erfahren und darum thue,was Du mich thun siehst." Und damit sing er an, diewenigen Kleidungsstücke, die er trug, sich auszuziehn, undwarf sich, als er ganz nakt war, während das Mädchenihm in Allem nachahmte, auf die Knie, als wolle er be-ten. Das Mädchen ließ er sich gegenüber knien, und wieer in dieser Stellung verweilend beim Anblick ihrer ent-blößten Schönheiten mehr als je in seiner Begierde ent-brannte, zeigte sich die Auferstehung des Fleisches. AlsAlibech diese gewahr ward, wunderte sie sich und sprach:„Rusticus, was ist denn das für ein Ding, was ich an