Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
327
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Gillette und Bertran von Roussillon. 327

Bitte und schenkte iht deshalb fünfhundert Gulden nebstschönem und kostbarem Geschmeide, das leicht eben so vielwerth sein mochte. Die Edelfrau war darüber hocherfreutund dankte der Gräfin, wie sie nur immer wußte undkonnte. Diese aber verließ sie und kehrte in ihren Gast-hof zurück.

Um für die Zukunft dem Bertran allen Anlaß zunehmen, ihr Haus zu beschicken, oder zu besuchen, zogdie Edelfrau bald darauf nebst ihrer Tochter zu ihren An-verwandten aufs Land. Bertran kehrte indeß, von denSeinigen zurückberufen, wie er erfuhr, die Gräfin sei da-von gegangen, selbst in seine Heimat zurück. Die Grä-fin war sehr erfreut, als sie hörte, er sei von Florenz ab-gereist und in feine Grafschaft heimgekehrt, und verweiltein Florenz noch bis zu ihrer Niederkunft, in der sie vonzwei Knaben, die ihrem Vater äußerst ähnlich sahen, ent-bunden ward. Sie ließ die Kinder mit vieler Sorgfaltstillen, machte sich, als es ihr Zeit zu sein schien, aufden Weg und langte, ohne von Jemand erkannt zu sein,glücklich in Montpellier an. Hier ruhete sie sich einigeTage lang aus und erfuhr in Folge ihrer Erkundigungennach dem Grafen und seinem Aufenthalt, er werde amnächsten Allerheiligen-Tage in Roussillon ein großes Gast-mahl für Damen und Ritter geben. Zu diesem ging sienun, immer noch in ihrer gewohnten Pilgertracht, undeilte, ohne sich umzukleiden, ihre beiden Kinder im Arm,hinauf in den Saal des gräflichen Palastes, wo, wie siehörte, Damen und Ritter versammelt waren, um zu Tischezu gehn.

Mitten durch die Leute drängte sie sich dahin, wo sieden Grafen sah, warf sich ihm zu Füßen und sagte wei-nend:Mein Gebieter, ich bin Deine unglückliche Gattin,die, um Dich Deiner Heimath zurückzuführen und zu er-halten, lange Zeit im Elend umhergegangen ist. Ich be-schwöre Dich bei Gott, daß Du mir jetzt die Bedingun-gen hältst, die Du mir durch die zwei Edelleute auferlegt