Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
326
Einzelbild herunterladen
 

326 Dritter Lag. Neunte Geschichte.

trauen auf ihre gute und ehrbare Gesinnung, das Ge-wünschte zu thun, sondern sie erhielt auch auf dem ange-gebenen Wege in wenig Tagen mit geheimer Vorsicht je-nen Ring, obgleich es dem Grafen schwer siel, sich vonihm zu trennen, und legte mit großer Geschicklichkeit dieGräfin statt ihrer Tochter dem Grafen zur Seite.

In diesen ersten Vereinigungen, die vom Grafen in-brünstig gewünscht waren, empfing, nach Gottes Willen,die Dame zwei männliche Kinder, wie sich zur gehörigenZeit bei der Entbindung zeigte. Auch gewährte die Edel-frau der Gräfin die Umarmuagen ihres Gemahles nichtnur ein, sondern viele Male, wobei sie so vorsichtig zuWerke ging, daß nichts von diesem Verhältnisse verlauteteund der Gras fortwährend der Meinung war, nicht seineFrau, sondern die, welcher er liebte, genossen zu haben.Deshalb schenkte er ihr denn auch Morgens, wenn er siezu verlassen hatte, schöne und kostbare Edelsteine in Menge,welche die Gräfin sämmtlich sorgsam verwahrte.

Als diese von ihrer Schwangerschaft überzeugt war,wollte sie der Edeldame nicht weiter mit diesen Dienstenbeschwerlich fallen, sondern sagte ihr:Madonna, Gottund Euch sei Dauk, ich habe erlangt, was ich wünschte,und so ist es Zeit, daß ich nun nach Eurem Verlangenthue, um dann wieder abzureisen." Die Edelfrau erwi-derte, es sei ihr lieb, wenn die Gräfin irgend etwas nachihren Wünschen erreicht hätte. Was sie aber gethan habe,sei nicht in Hoffnung irgend eines Lohnes geschehen, son-dern allein weisi sie gemeint habe, sie müsse so handeln,wenn sie Gutes thun wolle.Madonna" erwiderte dieGräfinich lobe diese Gesinnung an Euch und denke sel-ber nicht, was Ihr von mir verlangen werdet, Euch alseinen Lohn zu schenken, sondern allein um Gutes zu thun,wie man meiner Meinung nach es thun soll." Hieraufbat die Edeldame nothgedrungen und voller Scham umhundert Gulden zur Ausstattung ihrer Tochter. Die Grä-fin bemerkte wohl ihre Sckam und die Bescheidenheit ihrer