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1 (1843)
Entstehung
Seite
323
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Gillette und Vertrau von Roussillon. 323

den Besitz frei und ledig gelassen habe und in der Absicht,nie wieder nach Roussillon zu kommen, fortgezogen sei.Wahrend sie also sprach, vergossen die guten Leute vieleThränen und baten sie dringend, ihren Entschluß aufzu-geben und bei ihnen zu bleiben. Alles war indeß ver-gebens.

Die Dame empfahl sie dem göttlichen Schutze undtrat in Begleitung eines ihrer Vettern und einer Dienerinin Pilgerkleidern und mit Geld und kostbaren Steinenwohl versehen, ohne daß Jemand gewußt hätte, wohinsie gingen, die Reise an, und verweilte auch nicht eher,als bis sie in Florenz angelangt war. Hier kehrte sie,vom Zufall geleitet, in einem kleinen Gasthof ein, dereiner guten Witwe gehörte, und gab sich, voller Verlan-gen, von ihrem Herrn Nachricht zu erhalten, für einearme Pilgerin aus. Nun traf es sich, daß sie schon amandern Tage den Bertran mit seinem Gefolge vor demGasthofe vorüberreiten sah. Obgleich sie ihn gar wohl er-kannte, fragte sie doch die gute. Wirthin, wer es sei.Diese erwiderte:Er ist ein fremder Edelmann, der sichGraf Bertran nennt, ein gefälliger, freundlicher Herr, denman in unserer Stadt ausnehmend gerne sieht und derin eine meiner Nachbarinnen, ein armes Edelfräulein, überalle Maßen verliebt ist. Das ist ein gar sittsames undwackeres Mädchen, die nur um ihrer Armut!) willen nochnicht verheirathet ist und mit ihrer Mutter, einer verstän-digen und wackeren Frau, zusammenlebt. Aber wer weiß,was sie diesem Grafen nicht schon zu Gefallen gethanhätte, wenn ihre Mutter nicht wäre?"

Die Gräfin nahm den Inhalt dieser Worte sorgfältigin sich auf, erkundigte sich noch genauer nach allen Um-standen und faßte ihren Entschluß, sobald sie von Allemunterrichtet war. Zu diesem Ende ließ sie sich Namenund Wohnung jener Frau und ihrer Tochter, in welcheder Graf verliebt war, bezeichnen und ging eines Tages,ohne Jemand etwas davon zu sagen, in Pilgerkleidung