312 Dritter Tag. Achte Geschichte.
„so bin ich denn todt?" „Ja wohl," erwiderte der Mönch.Darauf begann Ferondo, sich selbst, seine Frau und seinSöhnlein bitterlich zu beweinen und sagte dabei die uner-hörtesten Albernheiten. Indessen brachte ihm der Mönchetwas zu essen und zu trinken. Als Ferondo das sah,rief er aus: „Mein Himmel, essen denn die Tobten?"„Ja," sagte der Mönch, „und was ich Dir jetzt bringe,ist dasselbe Essen, welches die Frau, die ehemals Dir zu-gehörte, heute Morgen der Kirche geschickt hat, um fürDeine Seele eine Messe lesen zu lassen. Das kommtDir nun, auf unsers Herrgottes Befehl, hier zu Gute."Darauf sagte Ferondo: „Ach, Du meine Güte! Na, Gottgebe ihr ein vergnügtes Jahr. Ich bin ihr freilich vormeinem Tode immer gar zu gut gewesen und Hab' sieimmer die ganze Nacht im Arm gehabt und habe nichtsAnderes gethan als sie, geküßt und habe auch was An-deres gethan, wenn ich die Lust kriegte." Dann sing er,hungrig und durstig wie er war, zu essen und zu trinkenan. Da ihm aber der Wein nicht allzu gut vorkam,sagte er wieder: „Herrgott, gib ihr Unglück, sie hat demPriester doch nicht von dem Fasse an der Wand geschickt."
Als er nun gegessen und getrunken hatte, kriegte ihnder Mönch wieder vor und schlug ihn mit denselben Ru-then aufs neue ganz mürbe. Nachdem Ferondo langegenug gejammert hatte, sagte er zu ihm: „Mein Gott,warum thust Du denn das?" Der Mönch sagte: „Darum,weil unser Herrgott befohlen hat, daß dies alle Tage zweiMal so geschehe. „Aus was für einer Ursache denn?"sagte Ferondo. Der Mönch erwiderte: „Weil Du eifer-süchtig wärest, obgleich Du das beste Weib zur Frauhattest, die weit und breit zu finden ist." „Ach Gottja," sagte Ferondo, „und das honigsüßeste, viel verzucker-ter als Marzipan. Aber ich wußte nicht, daß unser Herr-gott es übel nähme, wenn ein Mann eifersüchtig ist; sonstwäre ich's nicht gewesen." Der Mönch antwortete: „Dashättest Du bedenken und Dich bessern sollen, wahrend Du