Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
308
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308 Dritter Tag. Achte Geschichte.

wäre?" Darauf sagte der Abt:Madonna, Ihr könntfür mich nichts Geringeres thun, als was ich für Euchzu unternehmen im Begriffe stehe. Denn, sowie ich zuEurem Glück und zu Eurer Zufriedenheit zu wirken denke,so seid Ihr im Stande, mein Leben und meine Ruhe mirwiederzugeben."Ist das der Fall," cntgegnete die Frau,so bin ich bereit."Wohl denn," sagte der Abt,soschenkt mir Eure Liebe und gewährt mir Euren Leib;denn nur für Euch glühe ich und verzehre mich im Feuer."

Als die Frau diese Worte hörte, sagte sie voller Schre-cken:Um Gottes Willen, ehrwürdiger Water, was be-gehrt Ihr da von mir. Ich dachte, Ihr wäret ein Hei-liger. Ziemt sich's nun wol für heilige Männer, dieFrauen, die sich bei ihnen Raths zu erholen kommen,um dergleichen Dinge anzusprechen?" Der Abt ant-wortete ihr:Mein süßes Herz, verwundert Euch nichtdarüber; die Heiligkeit wird darum nicht geringer; dennsie wohnt in der Seele, und das Verlangen, das ich Euchentdeckt habe, ist eine Sünde des Körpers. Wie Demaber auch sei, Eure holde Schönheit übt solche Gewaltüber mich aus, daß die Liebe mich zwingt, zu thun, wieich gethan habe. Dabei könnt Ihr Euch denn EurerSchönheit mehr als andere Weiber rühmen, wenn Ihrbedenken wollt, daß sie den Heiligen wohlgefällt, die dochgewohnt sind, die Schönheiten des Himmels zu betrach-ten. Uebrigens bin ich 'ein Mensch, wie sehr ich auchAbt bin, und wie Ihr seht, noch nicht alt. Und so solles Euch denn nicht leid sein, zu thun, wie ich Euch ge-sagt habe, vielmehr sol<,t Ihr es selber wünschen; dennwährend Ferondo im Fegefeuer ist, werde ich Euch NachtsGesellschaft leisten und Euch die Unterhaltung gewähren,die er Euch zu bieten hätte. Auch wird es niemals Je-mand gewahr werden; denn ein Jeder denkt von mir sogut und vielleicht noch besser, als Ihr es eben vorhinthatet. Verschmähet nicht die Gnade, die Euch von Gottgeboten wird; denn Viele sind, die sehnlich begehren, was