Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
306
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306 Dritter Tag. Achte Geschichte.

war er geschickt genug, den Ferondo so weit zu bringen,daß er zuweilen mit seiner Frau heraufkam, sich im Klo-stergarten einige Zeit zu ergötzen. Hier sprach er ihnendann mit vieler Salbung von der Seligkeit, vom ewigenLeben und von den heiligen Werken vieler verstorbener-Männer und Weiber so lange vor, bis die Frau Lust be-kam, bei ihm zur Beichte zu gehen, und die Erlaubnißdazu von ihrem Manne, wie sie ihn darum ansprach, so-gleich erhielt.

Zu großer Freude des Abtes kam die Frau nun wirk-lich ihm zu beichten, setzte sich zu seinen Füßen und be-gann, noch ehe sie etwas Anderes redete:HochwürdigerHerr, hatte mir Gott einen andern oder auch gar keinenMann gegeben, so würde es mir vielleicht nicht schwerfallen, unter Eurer Anleitung den Weg, der nach EurenReden den Menschen zum Paradiese führt, zu gewinnen.Wenn ich aber bedenke, was Ferondo für ein Mensch undwie übermäßig seine Albernheit ist, so muß ich in dieserHinsicht mich eine Witwe nennen, wahrend ich doch wie-der verheirathet bin, insofern ich bei seinen Lebzeiten keinenandern Mann nehmen darf. Dabei ist er nun in seinerEinfalt, ohne irgend einen Grund, so übertrieben eifer-süchtig auf mich, daß ich um dessentwillen nicht anders,als in Noch und Elend, mit ihm leben kann. Deshalbbitte ich denn, bevor ich zur ferneren Beichte schreite, Euchauf das demüthigste, mir in dieser Sache mit einigemRathe gefällig sein zu wollen; denn erlange ich dadurchnicht erst die Möglichkeit gut zu thun, so wird übrigensdas Beichten so wenig helfen als dis Buße."

Diese Rede gefiel dem Abte in seiner Seele gar wohl,und ihn bäuchte, das Glück habe ihm den Weg, seinensehnlichsten Wunsch zu erlangen, bereits gebahnt.MeineTochter," antwortete er,wohl glaube ich, daß es einerso schonen und gefühlvollen Frau, wie Ihr es seid, sehrlästig sein mag, einen Verrückten zum Manne zu haben.Noch beschwerlicher aber muß ein Eifersüchtiger fallen; da