Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
305
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hielten Alle dafür, Emilie habe in Betracht der Mannich-saltigkeit der vorgetragenen Ereignisse noch sehr kurz er-zählt. Nun aber bezeigte die Königin der Lauretta ihrVerlangen durch einen bloßen Wink und veranlaßte siedadurch, also zu beginnen:Ihr lieben Mädchen, ich be-sinne mich eben auf eine wahre Geschichte, die ich Euchzu erzählen Lust habe, die aber, so wenig sie es ist, dochgar sehr einer Lüge gleich sieht. Sie' ist mir wieder ein-gefallen, weil.ich eben hörte, wie Einer für den Andernbetrauert und begraben worden ist, während ich Euch er-zählen werde, wie ein Lebender für todt begraben ward,und wie er sich nachher selbst, mit vielen Andern, nichtfür fortlebend, sondern für erweckt von den Tobten undaus dem Grabe erstanden, gehalten hat, wie aber Derjenige,der um deswillen eher als ein Schuldiger hätte verdammtwerden sollen, gleich einem Heiligen angebetet worden ist.

In Toscana nämlich war, und ist noch heutzutage,eins Benedictinerabtei, sowie man deren viele sieht, an ei-nem wenig besuchten Orte gelegen, in der ein Mönch zumAbte geworden war, der in jeder Beziehung, allein denUmgang mit Weibern abgerechnet, ein sehr heiliger Manngenannt werden konnte. Diesen Umgang aber wußte erso insgeheim zu betreiben, daß bei seinem Rufe der Strengeund Heiligkeit beinahe Niemand dergleichen ahnete, ge-schweige denn erfahren hätte. Nun traf es sich, daß einbesonders reicher Bauer, Namens Ferondo, mit dem Abtenäher bekannt ward und bei seiner unmäßigen Einfaltund Albernheit, vom Abte, der sich zuweilen an seinenNarrheiten ergötzen mochte, gern gesehen ward. Inzwi-schen wurde indeß der Abt gewahr, daß Ferondo ein wun-derschönes Weib zur Frau habe, und verliebte sich so sehrin diese, daß er bei Tag und bei Nacht an nichts An-deres dachte und fast verzweifeln wollte, als er erfuhr,Ferondo, der in allem Uebrigen so thöricht und so dummwar, sei vollkommen vernünftig, sobald es sich darumhandele, seine Frau zu lieben und zu bewachen. Dennoch