302 Dritter Lag. Siebente Geschichte.
gen Tedaldo's aussprach. Um dieser Trauer willen warauch das ganze Unternehmen des Pilgers, sammt demGastmahl von Mehreren getadelt worden, wie er dies selbstrecht wohl bemerkt hatte. Als es ihm aber Zeit schien,diese Trauer, wie er schon früher bei sich beschlossen hatte,zu vertreiben, stand er auf, während die Uebrigcn nochdie Früchte genossen, und sagte: „Nichts hat uns gefehlt,um dies Gastmahl fröhlich zu machen, als Tedaldo, denich Euch nun zeigen will, da Ihr ihn so lange unterEuch gehabt habt, ohne ihn zu kennen." Und damit warfer Pilgermantel und was sonst zur Pilgertracht gehörte vonsich und stand nun in einem Jäckchen von grünem Zin-deltaffet vor ihnen. Sie aber betrachteten ihn mit großerVerwunderung lange Zeit, und erkannten ihn erst all-mälig, ehe Einer sich unterstand, zu glauben, er sei eswirklich. Wie Tedaldo dies bemerkte, erzählte er ihnenausführlich von ihrer Verwandtschaft, von einer Mengesie betreffender Vorfälle und von seinen eignen Schicksalen.Da eilten die Brüder und übrigen Männer unter Freu-denthränen ihn zu umarmen, und auch die Frauen, ver-wandte wie fremde, Donna Ermellina allein ausgenom-men, thatcn ein Gleiches. Als Aldobrandino dies be-merkte, sagte er: „Was soll das, Ermellina, warum be-zeigst Du nicht, wie die andern Frauen, dem TedaldoDeine Freude über seine Rückkehr?" Die Dame aberantwortete ihm vor allen Anwesenden: „Keine unter Allenhätte ihn lieber freundlich bewillkommt, als ich, die ichihm mehr als Eine Dank schuldig bin, weil ich durchseine Hülfe Dich wiedererlangt habe; aber das unschick-liche Gerede, mit dem man sich getragen hat, als wirDen beweinten, den wir für Tedaldo hielten, hält michdavon ab." Aldobrandino erwiderte ihr: „Ei, was; denkstDu denn, ich werde den Kläffern glauben? Dadurch, daßer meine Rettung bewirkt hat, hat er deutlich genug dieUnwahrheit jenes Geschwätzes, an das ich ohnedies nichtglaubte, bewiesen. Steh nur aus und mach schnell, daß