Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
298
Einzelbild herunterladen
 

298 Dritter Tag. Siebente Geschichte.

Jener,weil Du zu meiner Rettung Dich beeiferst, somußt Du, ob ich Dich gleich nicht erkenne und mich nichterinnere, Dich je gesehen zu haben, mein Freund sein, wieDu sagst. In der That, die Sünde, um welcher willen,wie die Leute sagen, ich zum Tode verurtheilt werden soll,habe ich nie begangen; wol aber andere genug, die mirvielleicht meinen jetzigen Zustand von Gott zugezogen haben.Aber ich sage Dir, hat Gott jetzt ein Erbarmen mit mir, sowill ich gern aus Ehrfurcht vor ihm das Größte, wie viel mehrein Geringes, übernehmen, geschweige denn versprechen; darumfordere nur, was Dir beliebt, und unfehlbar werde ich meinWort halten, wenn ich glücklich davon komme." Der Pilgererwiderte darauf:Ich verlange nichts weiter, als daßDu den vier Brüdern des Tedaldo vergeben sollst, daßsie Dich in dem Glauben, Du seiest an dem Tode ihresBruders schuld, in eine solche Lage gebracht haben, unddaß Du sie, wenn sie Dich um Verzeihung bitten, alsDeine Freunde und Brüder behandeln sollst." Aldobran-dino antwortete ihm:Niemand weiß, wie süß die Racheist, und wie sehnlich man nach ihr verlangt, als wer selbstbeleidigt worden ist; demohngeachtet aber will ich, damitGott meine Rettung bewirke, ihnen gerne vergeben undvergebe ihnen hiermit. Auch will ich, wenn ich erst le-bendig aus diesem Gefängniß heraus bin und aller Ge-fahr entgehe, in dieser Angelegenheit mich so benehmen,wie es Dir belieben svird." Diese Antwort war demPilger genügend, und, ohne ihm weitere Auskunft zu er-theilen, bat er den Aldobrandino nachdrücklich, guten Mu-thes zu sein; denn gewiß solle er, noch ehe der nächsteTag zu Ende gehe, die bestimmtesten Nachrichten überseine Befreiung erhalten.

Darauf verließ er ihn, um auf die Signorie zu gehen,wo er insgeheim dem Edelmann, in dessen Händen siesich an dem Tage befand, Folgendes sagte:GnädigerHerr, ein Jeder soll mit Freuden dazu wirken, daß derwahre Hergang der Sache erkannt werde, vor Allen aber