Tedaldo Eli sei und Ermellina. 297 >
vor den Leichnamen fürchtet, wenn man sie nach Art derLebendigen herumgehen sieht. Daher eilte sie auch nicht, '
ihn wie den von (Zypern zurückgekehrten Tedaldo zu be- j
willkommnen, sondern vor ihm wie vor dem aus demGrabe Erstandenen zu fliehen. Tedaldo hielt sie aberzurück, indem er sagte: „Madonna, "zweifelt nicht, ich bin '
Euer Tcdaldo, lebendig und gesund, starb nicht und war i
noch niemals todt, was Ihr und meine Brüder auchglauben möget." Die Dame faßte ein wenig mehr Muth,und als sie seine Stimme erkannte, ihn etwas langer be-trachtete und sich selber überzeugte, er sei es wirklich, sielsie ihm weinend um den Hals, küßte ihn und sagte:
„Mein süßer Tedaldo, Gottlob, daß Du wieder da bist."
Als Tedaldo Kuß und Umarmung erwidert hatte, sagteer: „Madonna, zu einem herzlicheren Empfange ist jetztnicht Zeit. Ich will nun gehen und dafür sorgen, daßEuch Euer Aldobrandino wiedergegeben werde. Ich hoffe,
Ihr sollt vor Morgen Abend erwünschte Neuigkeiten dar-über hören. Habe ich indessen, wie. ich wol denke, guteNachrichten wegen seiner Rettung, so sollt Ihr mich dieseNacht zu Euch kommen lassen, damit ich sie Euch mitgrößerer Bequemlichkeit erzähle, als ich es jetzt thun könnte."
Damit bekleidete er sich wieder mit Pilgermantel undHut, küßte die Dame noch ein Mal und ging, nachdemer sie mit guten Hoffnungen getröstet hatte, dahin, woAldobrandino gefangen saß und mehr der Furcht des be-vorstehenden Todes als der Hoffnung der Rettung nach-dachte. Tedaldo trat als ein geistlicher Tröster mit Zu-stimmung der Gefangenwarter ein, setzte sich neben ihnund sagte: „Aldobrandino, ich bin Dein Freund; vonGott, dessen Mitleid Deine Unschuld erweckt hat, gesandt,um Dich zu retten, und so sollst Du denn, wenn Duanders aus Ehrfurcht vor ihm ein kleines Geschenk, dasich von Dir fordern werde, mir gewahren willst, vorMorgen Abend, wo Du Dein Todesurtheil erwartest,
Deine Lossprechung hören." „Wackrer Mann," erwiderte
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