Tedaldo Elisei und Ermellina. 295
den Platz einzunehmen, von dem er sich so viel Mühegab, einen Andern zu verdrängen."
„Dies also ist die Sünde, welche die göttliche Gerech-tigkeit, dis mit rechter Wage allen Handlungen ihre Fol-gen zutheilt, nicht hat unbestraft lassen wollen; und soist denn auch.Euer Mann um Tedaldo's willen ebensoohne seine Schuld in Gefahr und Ihr in Angst, wie Ihrdem Tedaldo ohne dessen Schuld Euch zu entziehen be-mühtet. Wollt Ihr nun aus dieser Noch befreit sein, somüßt Ihr mir Folgendes versprechen, noch vielmehr aberdereinst danach thun: Geschieht es ja, daß Tedaldo vonseiner langen Verbannung wieder zurückkehrt, so müßtIhr ihm Eure Gunst, Eure Liebe, Euer Wohlwollen undEuren vertraulichen Umgang wieder gewahren und ihnganz wieder an den Platz setzen, den er einnahm, bevorIhr dem albernen Mönche, thöricht genug, Glauben bei-maßet."
Der Pilger hatte seine Rede beendigt, und die Dameseine Worte auf das sorgsamste in .sich ausgenommen;sie hielt die Gründe, die er vorgebracht hatte, für voll-kommen wahr, und, wahrend sie ihn reden hörte, glaubtesie mit Bestimmtheit, sie erdulde ihre Trübsale um dieserSünde willen, und sagte nun: „Freund Gottes, ich er-kenne wohl, was Ihr zu mir gesagt habt, sei die Wahr-heit, und die Geistlichen, die ich bisher für Heilige gehal-ten habe, seien so, wie Eure Worte sie mir schildern.Auch sehe ich deutlich ein, daß ich in meinem Benehmengegen Tedaldo sehr gefehlt habe, und, würde es mir jemalsmöglich, so wollte ich diesen Fehler gern auf die Weise,die Ihr mir angegeben habt, wieder gut machen. Wiesoll das aber geschehen? Tedaldo kann nie mehr wieder-kommen; denn er ist todt. Und so sehe ich nicht ein,,warum ich Euch versprechen soll, was doch unmöglich blei-ben muß."
Hierauf antwortete der Pilger: „Madonna, Tedaldoist, wie Gott mir offenbart, durchaus nicht todt, vielmehr