294 Dritter Tag. Siebente Geschichte-
an seinem siebenjährigen unglücklichen Umherirren Schuldseid, das laßt sich gar nicht leugnen. Und so -habt Ihrdenn in einem jeden dieser drei Dinge eine viel größereSünde begangen, als indem Ihr ihm Euren Umganggewahrtet."
„Noch aber fragt sich, ob Tedaldo nicht vielleicht einesolche Behandlung verdiente. Gewiß that er es nicht.Ihr selbst habt das schon gestanden, und ich weiß auchaußerdem, daß er Euch mehr als sich selbst liebte. Nie-mals ist ein Gegenstand so geehrt, so erhoben und so ge-feiert worden, wie er es vorzugsweise vor allen andernDamen mit Euch that, wenn der Ort es ihm erlaubte,frei und ohne Verdacht zu erwecken, von Euch zu reden.Sein ganzes Glück, seine Ehre, seine Freiheit waren alleinin Eure Hände von ihm niedergelegt worden. War ernicht ein adlicher Jüngling? War er nicht schön vor denAndern Seinesgleichen? War er nicht wacker in Allem,was für junge Leute sich ziemt? War er nicht geliebt,hielt man ihn nicht werth, sah ihn nicht Jedermanngerne? Auch hierauf werdet Ihr mir nicht Nein ant-worten. Wie konntet Ihr also um des Geschwätzes einesdummen, gemeinen und neidischen Pfäffleins willen gegenihn einen grausamen Entschluß fassen?"
„Ich weiß nicht, in was für einem seltsamen Jrr-thum die Weiber sich befinden, wenn sie die Männer ver-schmähen und geringschatzen, während sie doch, wolltensie nur bedenken, was sie sind, und wie großer undhoher Adel vor allen andern Geschöpfen von Gott demManne gegeben ist, sich glücklich preisen sollten, wennsie von Einem geliebt werden. Ueber Alles sollten sie ihnwerth halten, und mit aller ihrer Sorgfalt sollten sie sichbestreben, ihm gefällig zu sein, damit er sie zu lieben nieaufhöre. Was Ihr dagegen aus die Worte eines Pfaffenhin thatet, der gewiß auch so ein Topfgucker und Pasteten-sresser war, das wißt Ihr selbst. Vielleicht hatte er Lust,