Ledaldo Elisei und Ermellina. 293
Du nicht Beleidigungen, so wird sich der Mönch nichtin Dein Haus wagen, um die Ehre Deiner Familie an-zutasten. Wozu soll ich erst Alles ausführen? Gewiß, sooft sie diese Entschuldigung verbringen, klagen sie im Augeder Verständigen sich dadurch an. Warum bleiben sienicht zu Hause und in der Welt, wenn sie sich für un-fähig halten, heilig und enthaltsam zu leben? Wollensie aber einmal dem geistlichen Stande sich widmen, warumbefolgen sie dann nicht das heilige.Wort des Evange-liums: „Jesus sing an Beides, zu thun und zu lehren?"Mögen sie denn erst thun und dann Andere belehren.Ich habe in meinem Leben gewiß Tausend gesehen, dieden Hof machen, sich verlieben, und nicht nur weltliche,sondern auch Klosterfrauen besuchen, und dabei auf derKanzel gerade den ärgsten Lärm machen. Solchen Men-schen sollten wir nachleben? Nun, wer Lust hat, dermag's thun; Gott weiß aber, ob er wohl daran thut."
„Aber, auch angenommen, der Mönch, der Euch schalt,habe Recht gehabt, wenn er sagte, d.ie eheliche Treue zubrechen sei eine sehr große Sünde, so frage ich, ob Je-mand zu bestehlen nicht eine viel größere ist? Ob esnicht eine viel größere Sünde ist, ihn zu tödten, oder ihnvoller Jammer in die Welt hinauszustoßen? Das wirdgewiß ein Jeder zugcben. Der vertrauliche Umgang einesMannes und einer Frau ist eine naturgemäße Sünde;aber rauben, tödten und verjagen, das entspringt aus derBösartigkeit des Gemüthes. Daß Ihr den Tedaldo be-raubtet, wenn Ihr Euch, die Ihr freiwillig sein gewordenwäret, ihm wieder entzöget, ist Euch schon oben einleuch-tend gemacht worden. Dann sage ich aber, daß Ihr ihnmordetet; denn an Euch, die Ihr Euch immer grausamergegen ihn bezeigtet, hat es nicht gelegen, wenn er sichnicht mit eigenen Händen umgebracht hat; die Gesetzeaber bestimmen, daß, wer an einem geschehenen NebelSchuld ist, Demjenigen gleichsteht, der es durch seine eigneThal vollbracht hat. Daß Ihr ferner an seinem Exil und