Ledaldo Elisei und Ermellina. 291
und die dafür gelten wollen, die haben nichts vom Möncheals die Kutte. Aber selbst die ist keine rechte Mönchs-kutte; denn, wahrend diese von den Stiftern der Ordeneng und ärmlich und von schlechtem Zeuche bestimmtwurde, um einer Seele zu entsprechen, welche die welt-lichen Dinge geringschätzte, als der Körper sich in so nied-riges Gewand hüllte, — machen die jetzigen Mönche ihreKutten weit und reichlich von feinem glänzenden Zeuche,geben ihnen dabei eine erlesene und hohepriesterliche Formund entblvden sich dann nicht, in Kirchen und auf denStraßen und Platzen darin, wie die Weltleute in ihrenKleidern, herum zu stolziren. Und wie der Fischer sich be-strebt, im Flusse so viel Fische als möglich mit seinemNetze zu fassen, so sind auch sie bedacht, in die Franjenihrer weiten Gewänder recht viele Betschwestern, Witwenund andere thörichte Weiber und Männer zu verwickeln,und kennen außer diesem keine anderen Sorgen, keinen an-dern Beruf. Darum haben denn diese Leute in der Thatnicht mehr Mönchskutten, sondern nür noch die Farbender Kutten. Während ehemals die Geistlichen danachstrebten, die Menschen zur Seligkeit anzulciten, strebendie jetzigen nur nach Weibern und Reichthümern und ver-wenden ihre ganze Sorgfalt schon seit lange nur darauf,durch Lärmen und durch Schreckbilder die Gemüther derThoren zu entsetzen und ihnen vorzureden, daß die Sün-den durch Almosen und Messelesen gebüßt werden, damitihnen (die sie nicht aus Frömmigkeit, sondern allein ausniedriger Gesinnung ihre Zuflucht vor Arbeit und Mühedarin gesucht haben, Pfaffen zu werden), der Eine Brot,der Andere Wein bringe, und der Dritte für die Seelender Verstorbenen Mahlzeiten spende. Nun ist es freilichvollkommen wahr, daß Almosen und Gebete uns helfen,die Sünden abzubüßen; sähen oder wüßten aber Diejeni-gen, die sich ihrer befleißigen, wem sie zu Gute kommen,so würden sie viel lieber ihre Geschenke behalten, oder sieeben so viel Säuen vorwerfen."