284 Dritter Lag. Siebente Geschichte.
begann: „Mir beliebt es in unsere Stadt, von der meinebeiden Vorgängerinnen sich zu entfernen für gut fanden,wieder zurückzukehren und Euch zu berichten, wie einerunserer Mitbürger seine verlorene Geliebte wieder gewon-nen hat.
Es lebte nämlich in Florenz ein junger Mann vonAdel, Namens Tedaldo degli Elisei, der in eine Dame,die Monna Ermellina hieß und einen gewissen Aldobran-dino Palermini zum Manne hatte, über die Maßen ver-liebt war und durch sein musterhaftes Betragen auch wirk-lich, wie er es verdient hatte, an das Ziel seiner Wünschegelangte. Diesen Freuden widersetzte sich indeß das denGlücklichen feindliche Schicksal. Was auch immer derGrund davon sein mochte, die Dame, die zuvor mit ihrerGunst gegen Tedaldo freigebig gewesen war, weigerte sichdurchaus, ihm ferner zu Willen zu sein, und wollte sogarkeinerlei Botschaft ferner von ihm anhören oder annehmen.Er verfiel darüber in tiefen und mislaunigen Trübsinn;so sehr aber war seine Liebe verborgen geblieben, daß Nie-mand die wahre Ursache seiner Traurigkeit erriech. Alser sich nun nach Kräften vielfach bemüht hatte, die Liebewieder zu gewinnen, die er ohne seine Schuld verlorenzu haben glaubte, und alle seine Anstrengungen ohne Er-folg bleiben sah, beschloß er die Welt zu fliehen, umDerjenigen, welche die Schuld seines Unglücks trug, nichtdis Freude zu gewähren, ihn allmälig sich verzehren zusehen. Zu dem Ende raffte er an Gelds zusammen, waser konnte, und verließ Florenz insgeheim, ohne irgendeinem Freunde oder Verwandten, einen Vertrauten aus-genommen, dem er Alles mittheilte, von seinem Vorhabenein Wort zu sagen.
So gelangte er unter dem angenommenen NamenFilippo von Sandoleccio nach Ancona, wo er sich miteinem reichen Kaufmann einigte, sich als Diener bei ihmverdung und auf seinem Schiffe mit ihm nach Cppernfuhr. Sein gutes Betragen und seine einnehmenden Sit-