282 Dritter Tag. Sechste Geschichte.
ich Euch jene Geschenke nicht in dem Maße gegeben, indem Ihr sie Euch gedacht habet. Und da Ihr wißt, daßdie Leute immer bereiter sind, das Böse als das Gutezu glauben, wird man vielmehr meinen, als Euren Wor-ten vertrauen. Außerdem wird aber zwischen EuremMann und mir eine tödtliche Feindschaft daraus entstehen,und es könnte sich leicht treffen, daß ich eben so bald ihnumbrachte, als er mich, was Euch dann wieder wederFreude noch Vortheil gewahren dürfte. Und so bitte ichdenn Euch, mein liebes Herz, nicht zugleich Euch selbstzu beschimpfen und Euren Mann und mich in Gefahrund Streit zu bringen. Ihr seid nicht die Erste undwerdet auch nicht die Letzte sein, die betrogen wird. Auchhabe ich Euch nicht betrogen, um Euch das Eurige zunehmen, sondern aus übermäßiger Liebe, die ich zu Euchtrage und immer als Euer demüthiger Diener zu tragenwünsche. Denn obgleich schon seit gar langer Zeit ichund Alles, was mir gehört und was ich gelte und ver-mag, Euch zugehört und Eurem Dienste gewidmet ist, sodenke ich doch, dies Alles soll von nun an noch vielmehrals je zuvor der Fall sein. Ihr seid in andern Dingenso verständig; gewiß, Ihr werdet es auch hier sein."
Eatella weinte, während Ricciardo diese Worte sprach,heftig; so erzürnt sie aber war, und so sehr die Sachesie verdroß, so war sie doch vernünftig genug, den wahrenWorten des Ricciardo Raum zu geben und einzusehen,cs könne gar leicht sich so zutragen, wie er ihr voraussagte. Deshalb erwiderte sie denn: „Ricciardo, ich weißbei Gott nicht, wie ich es ansangen soll, den Schimpfund den Betrug zu ertragen, die Du mir angethan hast.Hier, wo mich meine Einfalt und übermäßige Eifersuchthergeführt haben, will ich nun nicht weiter Lärm machen;aber davon halte Dich überzeugt, daß ich nicht eher wiederfroh werde, als bis ich auf die eine oder andere Weisemich für den Streich, den Du mir gespielt hast, gerächtsehe. Darum laß mich nun endlich los und halte mich