Ricciardo Minutolo und Catella. 281
Ricciardo holen zu lassen, der mich mehr als sich selbstgeliebt hat und sich nicht hat rühmen können, daß ichihn ein Mal angesehen hatte. Wahrlich, Niemand würdemich drum tadeln können. Du aber hast gedacht, seineFrau hier zu genießen, und was Dich und Deinen Wil-len betrifft, so ist es so gut, als "ob es geschehen wäre.Du hattest also gewiß kein Recht, mir was vorzuwerfen,wenn ich mich mit ihm einließe."
Auf solche Weise redete die Dame lange und beschwertesich sehr; endlich aber bedachte Ricciardo, wie großes Nebeldaraus entstehen könnte, wenn er sie in dieser Meinunggehen ließe, und so entschloß er sich, ihr sich zu entdeckenund sie aus dem Jrrthume, in dem sie sichstefand, zu reißen.Nachdem er sie also wieder in den Arm genommen hatteund so fest umschlungen hielt, daß sie sich nicht losmachenkonnte, sagte er: „Zürnt nicht, mein liebes Leben; wasich durch Liebe allein von Euch nicht erlangen konnte, hatLiebe mit List gepaart mich gewinnen lassen; ich bin EuerRicciardo."
Als Catella das hörte und an der Stimme ihn er-kannte, wollte sie sogleich aus dem Bette springen, konntesich aber nicht losmachen. Dann wollte sie schreien, aberRicciardo verschloß ihr mit der einen Hand den Mundund sagte: „Madonna, es ist nun einmal unmöglich, Das,was geschehen ist, ungeschehen zu machen, wenn Ihr auchEuer ganzes Leben lang schriet. Wollt Ihr aber dochschreien, oder sonst auf irgend eine Weise irgend Jemandmittheilen, was zwischen uns vorgefallen ist, so wird daszwei Folgen haben. Die erste, und sie kann Euch un-möglich gleichgültig sein, ist, daß Eure Ehre und Euerguter Ruf zu Grunde gehen. Denn, wenn Ihr auchimmerbin sagt, ich habe Euch durch List hierher gelockt,so behaupte ich, es sei nicht wahr, Ihr seied um Geldund um Geschenke, die ich Euch versprochen habe, hierhergekommen, und Ihr habet diesen Lärm und diesen Zanknur deshalb erhoben, weil Ihr zornig geworden seied, daß