Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
280
Einzelbild herunterladen
 

280 Dritter Tag. Sechste Geschichte.

Deinen eignen gepflügt. Nun wundere ich mich nicht,daß Du mich diese Nacht nicht anrührtest; Du dachtestDeine Ladung anderwärts abzusetzen und wolltest gern alsein wackerer Ritter ins Feld rücken. Aber, Gott undmeiner Klugheit sei es Dank, diesmal ist der Fluß nochin seinem rechten Bette geblieben. Nun, was antwortestDu nicht, Du schändlicher Mensch? Warum bringst Dukeine Sylbe vor? Bist Du stumm geworden bei meinenWorten? Wahrhaftig, ich weiß nicht, was mich abhält,Dir mit den Nägeln ins Gesicht zu fahren und Dir dieAugen auszureißen. Du dachtest mir diesen Streich garheimlich zu spielen, aber, bei Gott, was Einer weiß, er-fährt der Andere, und so ist Dir's nicht gelungen. Ichhatte bessere Hunde auf Deiner Fährte, als Du Dir den-ken mochtest."

Ricciardo freute sich innerlich über diese Worte undküßte und umarmte sie immerfort, ohne ein Wort zu sa-gen, und that mit ihr nur noch viel schöner als zuvor.Deshalb fuhr sie in ihrer Rede fort und sagte:Dudenkst wol, mit Deinen erlogenen Liebkosungen mich zubestechen, Du widerwärtiger Hund; Du denkst mich wolzu beruhigen und wieder gut zu machen? Da irrst DuDich aber. Nicht eher werde ich Dich mit dieser Ge-schichte zufrieden lassen, als bis ich öffentlich in Gegen-wart aller unsrer Verwandten, Nachbaren und FreundeDich ausgeschimpft habe. Und bin ich denn etwa nichteben so schön, als Ricciardo Minutolo's Frau? Bin ichnicht von eben so guter Familie? Warum antwortest Dunicht, Du garstiger Hund? Was hat sie denn vor mirvoraus? Weg mit Dir, und unterstehe Dich nicht mehr,mich anzurühren; Du hast Dich heute schon zu sehr ange-strengt. Ich weiß nun doch ja nur zu genau, daß Du DirGewalt anthun müßtest, wenn Du mit mir was anfangenwolltest, seit Du mich erkannst hast. Aber, so wahr mirGott helfen soll, ich werde Dich noch nach mir hungernlassen. Ich weiß auch nicht, was mich abhält, mir den