Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
279
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Ricciardo Minutolo und Catella. 279

wenn sie spräche, von ihm erkannt zu werden. DasZimmer war äußerst dunkel, womit denn beide Theile sehrzufrieden waren, und selbst durch längeren Aufenthalt ge-wannen die Augen darin nicht größere Kraft. Ricciardoführte sie zum Bette, und, ohne die Stimme zum Ver-räther werden zu lassen, verweilten sie hier zu größererLust und Vergnügen des Einen als wie der Andern, einegeraume Zeit.

Als es aber endlich der Catella Zeit zu sein schien,ihren gefaßten Groll loszulassen, fing sie, von glühendemZorne entbrannt, also zu reden an:Ach, wie elend istdoch das Geschick der Frauen, und mit welchem Unrechtwenden Viele ihre Liebe ihren Männern zu. Ich Un-glückliche, acht Jahre find es nun, seit ich Dich mehr alsmein Leben liebe, und Du Bösewicht, Du schändlicherMensch, Du glühest und verzehrest Dich nun, wie icheben erfahren habe, in der Liebe zu einem fremden Frauen-zimmer. Wen denkst Du denn umarmt zu haben? Diehast Du umarmt, die Du schon seit lange mit falschenSchmeichelreden und erheuchelter Liebe betrogen hast, wäh-rend Du eine Andere liebtest. Ich bin Catella, Du ruch-loser Verräther, und nicht Ricciardo's Frau. Ich bin esganz gewiß, und Du wirst mich an der Stimme wohlerkennen. Ich kann es aber nicht abwarten, daß wir imHellen sind, um Dich geilen, räudigen Hund zu be-schämen, wie Du es verdienst. Ach, ich unglücklichesWeib, wem habe ich nun so viele Jahre lang so treueLiebe bewahrt? Diesem ruchlosen Hunde, der mir jetzt,da er ein fremdes Frauenzimmer zu umarmen dachte, inden wenigen Augenblicken, die ich mit ihm zusammen war,mehr Liebkosungen und Schmeicheleien angethan hat, alswährend der ganzen Zeit, daß ich seine Frau bin. Ja,Du abtrünniger Hund, heute hast Du Dich angreifenkönnen, und zu Hause bist Du gewohnt, Dich so schwäch-lich, so matt und unbrauchbar zu stellen. Aber Gottlob,Du hast nicht fremden Acker, wie Du dachtest, sondern