278 Dritter Lag. Sechste Geschichte-
und stellte ein Bette, so gut sie es austreiben konnte,hinein, in welches Ricciardo, nachdem er gegessen hatte,um die Dame zu erwarten, sich legte.
Diese aber war, als sie die Worte Ricciardo's gehörtund ihnen mehr Glauben, als sie verdienten, beigemessenhatte, voller Zorn nach Hause zurückgekehrt. Zufälligkam Filippello, gerade an dem Abend gleichfalls mit an-dern Gedanken beschäftigt, nach Hause und that deshalbvielleicht nicht ganz so freundlich mit ihr, als er sonst zuthun gewohnt war. Wie sie das bemerkte, wurde ihrVerdacht noch um Vieles stärker, als er es schon zuvorgewesen war, und sie sagte bei sich selbst: „Wahrhaftig,Der hat nur das Weib in Gedanken, mit dem er morgensich Lust und Vergnügen verspricht; daraus soll aber ge-wiß nichts werden." Mit solchen Gedanken und mit Ueber-legungen, was sie ihm sagen wolle, nachdem sie sich vonihm habe umarmen lassen, beschäftigte sie sich beinahe dieganze Nacht.
Um es kurz zu machen, als es drei Uhr war, riefCatella ihre Dienerin und ging, ohne ihren Vorsatz irgendzu ändern, nach dem Bade, das Ricciardo ihr bezeichnethatte. Hier fand sie jene gute Frau und fragte, ob Fi-lippello an dem Tage schon da gewesen sei. Die Frau,die von Ricciardo unterrichtet worden war, antwortete:„Seid Ihr die Dame, die Herkommen soll, um mit ihmzu reden?" Catella erwiderte: „Ja, die bin ich." „Nun,"sagte die gute Frau, „so geht nur zu ihm hinein." Ca-tella, die suchte, was sie lieber nicht gefunden hätte, ließsich zu der Stube, in der Ricciardo sich befand, führen, tratmit verschleiertem Haupte ein und schloß die Thür hintersich zu. Als Ricciardo sie kommen sah, stand er freudigauf, nahm sie in seine Arme und sagte leise: „Willkom-men, mein liebes Herz." Catella, die sich noch für eineandere, als sie wirklich war, gehalten wissen wollte, um-armte und küßte ihn und erwies ihm die größten Zärtlich-keiten, jedoch ohne ein Wort zu reden; denn sie fürchtete,