Ricciardo Minutolo und Catella. 275i
zu geschehen pflegt, die eine Dame dahin und die andredorthin. Wie zuletzt Ricciardo sich bis auf wenige Andremit Catella allein sah, ließ er gegen sie ein Wort voneiner gewissen Liebschaft ihres Mannes Filippello fallen,das sogleich ihre Eifersucht erweckte und sie vor Begierde,zu hören, was Ricciardo ihr zu sagen hatte, innerlichganz entbrennen ließ. Eine Zeitlang suchte sie sich zuhalten, endlich aber vermochte sie es nicht mehr, und be-schwor den Ricciardo bei seiner Liebe zu der Dame, dieihm am theuersten sei, sie über Das, was er vom Filippellogesagt habe, gefällig aufzuklaren.
Jener antwortete: „Ihr habt mich bei etwas so Wer-them beschworen, daß ich Euch nicht zu verweigern weiß,was Ihr von mir fordert. Und so bin ich denn bereit,Euch Auskunft zu geben, wenn Ihr mir anders zuvorversprechet, daß Ihr weder gegen Euren Mann, noch ge-gen sonst Jemand ein Wort darüber sagen wollt, bevorIhr Euch nicht durch die That überzeugt haben werdet,was ich Euch erzählen werde, sei wahr; und begehrt Ihr-es, so will ich Euch zum Letzten Gelegenheit geben." DerDame gefiel die Forderung des Ricciardo, um derentwil-len sie seine Reden für desto wahrer hielt, und sie schworihm, niemals davon zu reden.
Nachdem sie nun, um von Andern nicht gehört zu wer-den, auf die Seite gegangen waren, begann Ricciardoalso zu sprechen: „Madonna, liebte ich Euch noch, so wieich einst Euch geliebt habe, so hatte ich nicht den Muth,Euch Etwas zu sagen, wovon ich glaubte, es werde Euchzum Verdrusse gereichen. Nun aber, da jene meine Liebevorüber ist, werde ich weniger ängstlich sein, Euch in Al-lem die Wahrheit zu eröffnen. Ich weiß nicht, ob denFilippello jemals die Liebe, die ich für Euch empfand,verdrossen haben mag, oder ob er sich eingebildet hat, ichsei irgend einmal von Euch geliebt worden; wie demauch sein mag, gegen mich selbst hat er sich nie etwas derArt merken lassen. Jetzt aber vielleicht, nachdem er so