274 Dritter Tag. Sechste Geschichte.
Welt sei der Catella außer dem Filippello werth, den sieso eifersüchtig liebe, daß sie von dem Vogel in der Luftfürchte, er möge ihn ihr entreißen.
Kaum hatte Ricciardo von Catella's Eifersucht gehört,so faßte er in Betreff seiner Wünsche sogleich einen neuenEntschluß. Er begann sich nämlich zu stellen, als gebeer die Liebe zur Catella nun auf und als habe er seinHerz statt dessen einer andern Edeldame geschenkt, der zuEhren er denn auch Waffenübungen und Turniere undalles Andre, was er sonst zu Ehren der Catella gethanhatte, anstellte. Er hatte auch nicht lange dergleichengethan, als bereits ganz Neapel, und Catella eben-falls, der Meinung war, daß er nicht mehr diese, son-dern jene andere Dame auf das feurigste liebte. In die-sem Benehmen verharrte er so lange, bis diese Meinungvon Allen für unfehlbar gehalten wurde, und Andrer zugeschweige», ließ Catella selbst von einer gewissen Sprö-digkeit, die sie wegen der Liebe, die er ihr zu bezeigenpflegte, angenommen hatte, nach und grüßte ihn als ih-ren Nachbarn, wie sie Andere grüßte, freundlich, wenn sieging oder kam.
Nun geschah es, daß während der großen Hitze vieleGesellschaften von Rittern und von Damen nach neapo-litanischer Sitte an dem Meeresufer spazierten, um sichdort zu ergötzen und Mittag oder Abendbrot zu genießen.Sobald Ricciardo wußte, Catella sei mit ihrer Gesell-schaft dorthin gegangen, ging er mit einigen seiner Be-kannten an denselben Ort. Hier wurde er nun zur weib-lichen Gesellschaft der Catella eingeladen-, doch nahm erdie Aufforderung erst an, nachdem er sich lange hatte bit-ten lassen, wie wenn er keine besondere Lust hätte, dort-zubleiben. Bald singen die Damen und unter ihnen na-mentlich auch Catella, an, wegen seiner neuen Liebe ihnaufzuziehn; er aber stellte sich gar sehr entflammt undgab ihnen dadurch nur neuen Anlaß zu spaßen. Als manindessen weiter spazierte, verlor sich, wie es an jenem Ufer