Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
273
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Ricciardo Minutolo und Eatella. 273

freundlichem Lächeln erwiderte diese:Gern, Madonna,"und begann:Wir wollen uns ein wenig von unsererStadt entfernen, die, wie an allen andern Dingen, soauch an Beispielen jeder Art reich ist, und, wie schon Elisees gethan hat, mit den Geschichten, die in der übrigenWelt sich zugetragen haben, uns etwas beschäftigen. Sowill ich mich denn nach Neapel versetzen und Euch erzäh-len, wie eine von den Betschwestern, die so spröde gegendie Liebe thun, durch die Schlauheit ihres Liebhabers da-hin gebracht ward, eher die Früchte der Liebe zu kosten,als sie ihre Blüthen erkannt hatte. Diese Geschichte wirdEuch zugleich für mögliche zukünftige Fälle vorsichtig ma-chen und in Betreff der vergangenen Euch ergötzen.

In der uralten Stadt Neapel, die wol eben so an-muthig oder anmuthiger als irgend eine andere in Italienist, lebte einst ein junger Mann, dem seine edle AbkunftAnsehen und seine großen Reichthümer Glanz gewährten,Namens Ricciardo Minutolo. Obgleich dieser nun selbsteine sehr schöne und liebenswürdige junge Frau hatte, ver-liebte er sich doch in eine Andere, die nach allgemeinemDafürhalten an Schönheit alle Neapolitanerinnen um Vie-les übertraf. Sie hieß Eatella, war äußerst sittsam undmit einem jungen Manne vermählt, der Filippello Fighi-nolsi hieß, ebenfalls von Adel war und sie über Allesliebte und werth hielt. Ricciardo Minutolo, der in seinerLiebe zur Eatella alles Mögliche that, wodurch man imStande zu sein pflegt, die Neigung einer Dame zu er-werben, und doch Nichts erlangen konnte, das seinen Wün-schen entsprochen hätte, war der Verzweiflung nahe undwußte, da ihm Geschick oder Kraft, von dieser Liebe sichloszumachen, fehlten, weder zu sterben, noch freute es ihnzu leben.

Während er nun in dieser Stimmung sich befand, ge-schah es, daß einige Frauen, die mit ihm verwandt wa-ren, ihn nachdrücklich ermahnten, er möge diese Liebe auf-geben; seine Mühe sei doch umsonst, denn nichts auf der