270 Dritter Tag. Fünfte Geschichte.
hast. Sobald er abgereist sein wird, verspreche ich Dirunfehlbar bei meiner Ehre und bei der warmen Liebe, dieich für Dich empfinde, daß Du in wenig Tagen mit mirallein sein sollst und daß wir alsdann unsere Liebe zu völ-ligem und ergötzlichem Ziele führen wollen. Und damitich nicht nöthig habe, noch ein anderes Mal dieser Sachewegen Dich zu beschicken, so sage ich Dir jetzt, sobaldDu eines Tages zwei ausgebreitete Handtücher am Fenstermeiner Schlafstube, die nach dem Garten hinausgeht, han-gen stehst, so komm den Abend, wenn es dunkel ist, mitgroßer Vorsicht, ja von Niemand gesehen zu werden, durchdie Gartenthür zu mir herauf. Dann sollst Du mich fin-den; ich werde Deiner schon warten und wir werden Beidedie ganze Nacht über Freude und Vergnügen an einanderhaben, wie wir es nur wünschen."
Als Zima im Namen der Dame also gesprochen hatte,sing er wieder an, für sich zu reden und antwortete:„Vielgeliebte Dame, das unendliche Entzücken über Euregute Antwort hat alle meine Kräfte so besangen, daß ichkaum vermag, zum schuldigen Dank, den ich Euch sagenmöchte, die Worte zu finden. Könnte ich aber reden,wie ich es wünschte, so ist keine Frist weit genug, umden vollen Ausdruck des Dankes, meinem Gefühl undmeiner Pflicht entsprechend, in sich zu fassen. So mußich es nun Eurem verständigen Ermessen überlassen, Daszu erkennen, was ich trotz meiner Wünsche in Wortennicht zu sagen vermag. Nur das erwidre ich Euch: wieIhr mir anbefohlen habt, so denke ich unfehlbar zu thun,und wenn ich dann vielleicht mehr beruhigt bin, werdeich mir Mühe geben, für das unaussprechliche Geschenk,das Ihr mir gewährt habt, Euch nach Kräften so sehrzu danken, als ich nur immer weiß. Nun habe ich fürjetzt nichts weiter zu sagen und darum, meine geliebtesteDame, gebe Gott Euch die schönste Freude und das besteGlück, die Ihr Euch nur wünscht, und lebet wohl."
Zu alle Dem sagte die Dame kein Wort; weshalb