Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
266
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266 Dritter Tag. Fünfte Geschichte.

Verlegenheit. Nun lebte damals in Pistoja ein Jüngling,Namens Ricciardo, der zwar von geringer Familie, aberäußerst reich war und so geschmückt und sorgfältig geklei-det ging, daß man ihn allgemein nur den Stutzer (Zima)nannte. Dieser hatte seit langer Zeit die Frau des HerrnFrancesco, die von großer Schönheit und Tugend war,geliebt und ihr ohne Erfolg den Hof gemacht. Zima aberhatte eines der schönsten Pferde in Toscana, das er auchseiner Schönheit wegen sehr werth hielt, und da es offen-kundig war, daß er sich um die Frau des Herrn Francescobemühte, rieth irgend ein guter Freund dem letzten, ermöge den Zima um sein Pferd ansprechen und gewißwerde dieser es ihm aus Liebe zur Frau schenken.

Herr Francesco ließ sich vom Geize verleiten, denZima zu sich rufen zu lassen, und bat ihn alsdann, dasPferd ihm zu verkaufen, in der Hoffnung, Zima werdees ihm zum Geschenke anbieten. Als Zima den Antraghörte, freute er sich und sagte zu dem Edelmann:Herr,schenktet Ihr mir Euer ganzes Vermögen, so wäre mirmein Pferd darum nicht verkäuflich. Wenn Jhr's aberzum Geschenke von mir annehmen wollt, so könnt Jhr'shaben; doch unter der Bedingung, daß ich, ehe Ihr dasPferd erhaltet, mit Eurer Erlaubniß und in Eurer Ge-genwart mit Eurer Frau (so weit jedoch von Jedermannentfernt, daß Niemand außer Ihr selbst mich hören kann)einige Worte reden darf." Der Edelmann antwortete, vomGeize bestochen und in der Hoffnung, jenen anzuführen,er sei es zufrieden und Zima möge reden, so viel erwolle.

Und so ließ er ihn im großen Saale seines Palastes,und suchte seine Frau in ihrem Zimmer auf. Hier er-zählte er ihr, wie wohlfeil er zu Zima's Pferde gelangenkönne, hieß sie mit ihm kommen, um Zima anzuhören,befahl ihr aber auch, sich wohl zu hüten, auf was immerZima sagen möchte, wenig oder viel zu antworten. DieFrau misbilligte diesen Handel sehr; da sie aber einmal