256 Dritter Lag-' Dritte Geschichte.
Tochter," sagte darauf der Mönch, „dazu kann ichnichts sagen, als daß es eine übermäßige Frechheit undeine abscheuliche Missethat ist. Du thatest Deine Pflicht,daß Du ihn fortschicktest. Aber nun will ich Dich
noch gebeten haben, daß Du, weil Gott Dich vorSchande bewahrte, wie Du schon zwei Mal meinenRath befolgt hast, es noch dies Mal thun, und, ohnegegen Deine Angehörigen Dich zu beklagen, mir über-lassen mögest, zu versuchen, ob ich diesen Teufel, deraus der Hölle entsprungen scheint, und den ich für einenHeiligen gehalten hatte, denn nicht zu bändigen im Standebin. Gelingt es mir, ihn von seinem viehischen Betragenabzubringen, dann ist es gut; wo nicht, so gebe ich Dirjetzt mit meinem Segen das Versprechen, daß ich Dichnicht weiter hindern will, zu thun, was Dir in DeinemSinne gut dünkt." „Nun wohl" sagte die Dame, „ichwill Euch für dies Mal weder erzürnen, noch Euch unge-horsam sein; aber nun sorgt dafür, daß er sich hüte, michferner zu plagen; denn, wahrlich, zu Euch komme ich indieser Angelegenheit nun nicht wieder."
Und damit ging sie ohne weiter etwas zu sagen, alswäre sie aufgebracht, von dannen. Kaum hatte sie dieKirche verlassen, so kam auch der Edelmann des Weges.Der Mönch rief ihn an, nahm ihn bei Seite, sagte ihmdie größten Grobheiten, die man jemals einem Andern zuhören gegeben hat, und nannte ihn einen Schelmen, einenMeineidigen und einen Verräther über den andern. Die-ser aber hatte schon zwei Mal erfahren, was das Schel-ten des Paters zu bedeuten habe, und suchte deswegendurch halbe Antworten ihn zum Reden zu bringen. „Wür-diger Herr," sprach er, „was soll dieser Zorn? Habe ichdenn Christum gekreuzigt?" „Ueber den Unverschämten!"antwortete der Geistliche, „nun höre mir Einer, wie erthut; redet er doch wahrhaftig nicht anders, als wäre esein oder paar Jahre her und als könnte er sich der lan-gen Zeit wegen auf seine Schändlichkeiten und schlechten