254 Dritter Tag. Dritte Geschichte-
von seiner Dame hören, und abwartete, was jener ihmsagen werde. Der Mönch wiederholte, was er ihm schonfrüher gesagt hatte, und schalt ihn besonders mit vielenzornigen und harten Worten wegen Dessen, was er, denReden der Dame zufolge, gethan haben sollte. Der Edel-mann, der noch nicht durchschauen konnte, wo der Möncheigentlich hinwolle, leugnete ziemlich lau, Gürtel undTasche geschickt zu haben, damit er Jenem, wenn dieDame ihm etwa die Geschenke gegeben hatte, nicht denGlauben daran benähme. Aber der Pater sagte ganz auf-gebracht: „Du schlechter Mensch, wie kannst Du das leug-nen? Da sieh her; mit vielen Thränen hat sie selber siemir gebracht, und nun sage, ob Du sie erkennst." DerEdelmann that gar sehr beschämt und sagte: „Freilichkenne ich diese Geschenke und bekenne, daß ich Unrechtgethan habe; schwöre aber auch, weil ich sie also gesinntsehe, daß Ihr von dieser Sache nie wieder ein Wort hö-ren sollt." Nun wurde noch viel hin und hergeredet.Endlich aber gab Bruder Einfalt Gürtel und Tasche anden Freund heraus und entließ ihn dann nach langenStrafpredigten und Bitten, solcher Dinge in Zukunft sichzu enthalten.
Der Edelmann ging, hocherfreut über die Gewißheit,die er in Betreff der Liebe seiner Dame erlangt zu habenglaubte, wie über das schöne Geschenk, sobald er denMönch verlassen hatte, mit Vorsicht an einen Ort, woer der Dame bemerklich machen konnte, er habe das Einewie das Andere erhalten. Der Dame war dies um solieber, als sie nun an dem glücklichen Fortgange ihresPlanes nicht mehr zweifelte.
Wahrend sie nun, um ans Ziel ihrer Wünsche zugelangen, nichts als eine gelegentliche Abwesenheit ihresMannes erwartete, traf es sich, daß wenig später, gewisserGeschäfte willen, ihr Mann genöthigt war, nach Genuazu reisen. Kaum war er des Morgens zu Pferde gestie-gen und. fortgeritten, so ging unsere Dame auch schon