Der Beichtvater als Kuppler. 253
lungen, nahm die Geschenke voller Zorn und sagte: „MeinKind, ich wundre mich nicht, wenn diese Vorfälle Dichbetrüben, und kann Dich deswegen nicht tadeln; vielmehrlobe ich an Dir, daß Du dabei meinen Rathschlagen Folgegeleistet hast. Ich habe ihn neulich zur Rede gesetzt; erhat aber schlecht gehalten, was er mir damals versprach,und so denke ich ihm denn um dessentwillen, wie auchwegen seiner neuen Vergehen, dermaßen den Kopf zu wa-schen daß es ihm vergehen soll, Dich ferner zu beunruhi-gen. So lieb Dir aber Gottes Segen ist, so laß Dichvom Zorne nicht überwältigen, Einen der Deinigen vondieser Angelegenbeit zu unterrichten; es könnte zu viel Un-glück daraus werden. Uebrigens sei wegen Deines Rufesunbesorgt, denn ich werde Deine Unschuld immerdar, vorGott wie vor den Menschen, unwandelbar bezeugen."
Die Dame schien sich etwas zu beruhigen, und, vondem Geize dieses wie der andern Mönche wohl unterrichtet,lenkte sie das Gespräch von jenem Gegenstände ab undsagte: „Ehrwürdiger Herr, diese letzten Nachte sind mirmehrere meiner Verwandten erschienen, die wol große Qua-len erdulden müssen und nichts verlangen als Almosen;vor allen aber meine selige Mutter, die so betrübt undelend aussi'eht, daß es ein wahrer Jammer ist. Ich glaubegewiß, daß es ihr bitter weh thut, mich von diesem bösenFeinde so versucht zu sehn, und darum wünschte ich, Ihrlaset mir für ihre Seelen die vierzig Gregoriusmessen undsagtet dazu Eure Gebete, damit Gott sie aus den Feuer-qualen befreie." Und mit diesen Worten drückte sie ihmeinen Goldgulden in die Hand. Der ehrwürdige Paternahm ihn voller Freuden, bekräftigte mit guten Wortenund mit vielen Beispielen ihre Frömmigkeit und entließ siedann mit seinem Segen.
Als die Dame fortgegangen war, schickte er, immernoch ohne zu ahnen, daß man ihn zum Besten habe,nach seinem Freunde, der, als er bei seinem Eintritt denMönch zornig sah, schnell errieth, er werde Neuigkeiten