Der Beichtvater als Kuppler. 251
Der Edelmann, der etwas schärfer sah, als der gutePater, errieth bald genug die Schlauheit der Dame, thatalso etwas beschämt und versprach, sich nicht weiter aufdie Sache einzulassen. Dann verließ er den Mönch undeilte zum Hause der Dame, die noch immer an einemkleinen Fenster aufmerksam verweilte', um ihn zu sehen,wenn er etwa vorüberginge. Als sie ihn nun erblickte,bezeigte sie sich gegen ihn so freundlich und gefällig, daßer wohl einsehen konnte, er habe die Worte des Mönchsrichtig verstanden. Und so ging er denn von diesem Tagean zu seinem eignen Vergnügen und zu großer Freudeund Beruhigung der Dame, vorsichtig, als ob andereGeschäfte ihn dorthin führten, täglich jene Straße entlang.
Die Dame indeß hatte sich bald überzeugt, daß sieihm eben so wohl, als er ihr gefalle, und, voller Verlan-gen, ihn noch mehr zu entflammen und ihm ein sicheresZeichen ihrer Liebe zu ihm zu geben, nahm sie die Ge-legenheit wahr, zum ehrwürdigen Klosterbruder zurückzu-kehren, und kaum hatte sie ihm zu Füßen sich niederge-lassen, so sing sie bitterlich zu weinen an. Als der Geist-liche sie in Thränen sah, fragte er voller Theilnahme,was sie Neues bringe. Die Dame antwortete: «Hoch-würdiger, ich habe keine andern Neuigkeiten, als vonEurem verwünschten Freunde, über den ich schon neulichmich beschwerte. Wahrlich ich glaube, er ist geboren, ummich zu plagen und mich zu Dingen zu verlocken, umderentwillen ich mir ewig. Vorwürfe machen und nie wiederwagen würde, vor Euch zu erscheinen." „Wie," sagte
der Pater, «hat er denn nicht aufgehört, Dich zu belä-stigen?" «Gewiß nicht," erwiderte die Dame, «vielmehrkommt er, seit ich gegen Euch mich beschwerte, gleichsammir zum Trotz, und weil er mir übel genommen, daß ichüber ihn Klage geführt habe, für ein Mal, das er sonstvor meinem Hause vorüberging, jetzt wenigstens siebenMal vorbei. Und, wollte Gott, er wäre beim Vorüber-gehen und Heraufgucken stehen geblieben; aber so verwe-