Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
249
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Der Beichtvater als Kuppler. 249

seinem Gefallen zuwiderliefe, so verdiente gewiß keine argeHexe den Scheiterhaufen so sehr, als ich. Nun werdeich aber von einem jungen Manne, dessen Namen mirin der Thal nicht bekannt ist, der aber von Stande zusein scheint, hübsch und groß von Gestalt ist, gewöhnlichfeines braunes Tuch tragt und, wenn ich mich nicht irre,viel mit Euch umgeht, vielleicht weil er mich anderenSinnes glaubt, als ich bin, förmlich belagert. Ich kannvor keine Thür und an kein Fenster treten, oder gar ausdem Hause gehen, ohne daß er gleich bei der Hand wäre;mich wundert's nur, daß er nicht schon hier ist. Mir istaber die ganze Sache äußerst unlieb; denn solch ein Be-nehmen kann auch die anständigste Frau in üblen Rufbringen. Ich hatte mir schon vorgenommen, es ihm durchmeine Brüder sagen zu lassen; dann habe ich aber wiederbedacht, wie Männer solche Bestellungen so auszurichtenpflegen, daß die Antwort übel aussällt. Es gibt einenWortwechsel, und von den Worten kommt es am Endezu Tätlichkeiten. Darum habe ich still geschwiegen, umUnglück und Aergerniß zu vermeiden, und habe mich ent-schlossen, mit Euch zu reden, theils weil Ihr sein Freundzu sein scheint, theils weil es sich für Euch schickt, überdergleichen Dinge auch fremde Leute, wie vielmehr dennEuren Freund, zu ermahnen. Und so bitte ich Euch dennum Gottes willen, ihm über sein Benehmen einenVerweis zu geben und ihn zu bitten, daß er sich dessenin Zukunft enthalte. Es gibt andere Weiber genug, diewol an solchen Geschichten Gefallen finden. Die werdensich freuen, wenn er ihnen nachgafft und ihnen den Hofmacht. Mir aber, die ich zu solchen Thorheiten keines-wegs aufgelegt bin, ist dergleichen im höchsten Grade zurLast."

Als sie dies gesagt hatte, senkte sie den Kopf, alsträten ihr die Thränen in die Augen. Unser Heiliger er-riech alsbald, sie rede von Dem, den sie wirklich meinte,lobte sie wegen ihres heilsamen Entschlusses und versprach

II"