248 Dritter Tag. Dritte Geschichte.
allem seinem Reichthum, es nie weiter brachte, als sichaufs Sortiren, auf Einschlag und Aufzug zu verstehen,oder mit den Spinnerinnen sich um die Gebinde zu zan-ken, bestärkten sie in ihrem Vorsatze, seinen Umarmungen,so weit es sich thun ließe, aus dem Wege zu gehen, wo-für sie dann bei Jemandem, der ihr würdiger als derWolleweber schiene, sich Entschädigung zu suchen dachte.
Wirklich verliebte sie sich dergestalt in einen ganzwackeren Edelmann von mittleren Jahren, daß sie Nachtsnicht schlafen konnte, wenn sie ihn den Tag über nichtgesehen hatte. Der gute Mann aber, der keine Ahnungdavon hatte, bekümmerte sich nicht um sie, und sie warzu vorsichtig, um durch weibliche Botschafter oder Briese,die ihre Gesinnungen enthalten hatten, möglichen Gefah-ren sich aussetzen zu wollen. Dagegen hatte sie bemerkt,daß er häufig mit einem Pfaffen umging, der, so einsaitigund ungebildet er war, wegen seines strengen Lebens dochbei den Meisten für einen ganz besonderen Pater galt.
Die Dame hielt dafür, dieser Geistliche könne zwi-schen ihr und ihrem Geliebten am besten den Mittels-mann abgeben, und ging deshalb, nachdem sie mit sichüber die Art ihres Benehmens einig geworden war, indie Kirche, zu welcher er gehörte, ließ ihn rufen und sagte,sie wünsche, wenn es ihm gefällig sei, bei ihm zu beich-ten. Der Pfaffe zeigte sich sogleich bereitwillig; denn ersah ihr an, sie müsse eine Frau von Stande sein. Nachder Beichte sagte die Dame: „Ehrwürdiger Herr, nochmuß ich Euch um Rath und Hülfe in einer Angelegen-heit bitten, von der ich Euch unterrichten will. Ihr kenntaus meiner eignen Beichte meine Familie und meinenMann. Er liebt mich mehr als sein Leben, und kaumäußere ich irgend einen Wunsch, so erfüllt er ihn, wie erdas vermöge seines Reichthums wol vermag, auf derStelle. Dafür liebe ich ihn denn auch mehr als michselbst, und wenn ich nur eines Gedankens, geschweigedenn einer Handlung fähig wäre, die seiner Ehre oder