Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
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245
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König Agilulf's Stallknecht. 245

was er suche. Deshalb vermehrte sich sein Herzklopfen,das die körperliche Aufregung veranlaßt hatte, vor Furchtnoch um Vieles, und er zweifelte nicht, der König werdeihn auf der Stelle tödten, sobald er es nur gewahr würde.Gingen ihm nun auch allerhand Plane durch den Kopf,so entschloß er sich doch zuletzt, als 'er den König ohneWaffen sah, sich schlafend zu stellen und abzuwarten, wasJener thun werde. Der König fand unter den Vielen,die er untersuchte, Keinen, den er für den Thater gehal-ten hatte, bis er endlich zu diesem kam, und als er dessenHerz so heftig schlagen fühlte, sagte er bei sich selbst:Der ist es. Da er aber von Dem, was er thun wollte,Niemand Anderes etwas wissen zu lassen beabsichtigte, thater ihm nichts, als daß er mit einer Scheere, die er beisich führte, ihm auf der einen Seite von den Haaren,die man damals sehr lang zu tragen pflegte, einen Theilabschnitt, um an diesem Zeichen ihn am andern Morgenerkennen zu können, und kehrte dann sogleich in seineZimmer zurück.

Unser Knecht hatte wohl gefühlt, was der König mitihm vorgenommen, und war verschlagen genug, einzusehen,zu welchem Ende er so gezeichnet worden sei. Drumzögerte er keinen Augenblick aufzustehen und schnitt miteiner Scheere, deren zufällig zur Bedienung der Pferdemehrere zur Hand waren, leise unter seinen Schlafgesellenvon Einem zum Andern gehend, Allen auf gleiche Weisean einem Ohre die Haare ab; worauf er sich, ohne daßJemand ihn gehört hatte, wieder schlafen legte.

Als der König am Morgen aufgestanden war, hießer, bevor noch die Thore des Palastes geöffnet wurden,seine ganze Dienerschaft vor ihm erscheinen. Als diesemBefehl Genüge geleistet war, und nun Alle entblößtenHauptes vor ihm standen, blickte er, um Den zu erkennen,den er selbst geschoren hatte, unter ihnen umher. Wie eraber die Mehrzahl unter ihnen mit gleichmäßig verschnit-tenen Haaren sah, da verwunderte er sich und sagte bei sich