2^4 Dritter Tag. Zweite Geschichte.
zu sagen: „Ich bin hier nicht gewesen; wer war da?Wie ist es zugegangen? Was ist daraus geworden?"wodurch sie sich denn vielerlei Unheil zugezogen hatten.Denn die Frau wäre dadurch unverschuldet beschimpft, undihr überdies Veranlassung geboten worden, aufs neue zubegehren, was sie schon einmal genossen hatte, und derKönig selbst, der durch Schweigen der Schande völligentging, hatte durch Reden seine eigne Schmach herbei-geführt. Deshalb antwortete er ihr denn, mehr innerlich,als dem Aussehen oder den Worten nach, erzürnt: „Frau,denkst Du denn, ich sei nicht Mann's genug, um wieder-kommcn zu können, wenn ich auch erst bei Dir war?"Hierauf erwiderte die Königin: „Wohl, mein Herr, dem-ohngeachtet bitte ich Euch aber, auf Eure Gesundheit Achtzu haben." „Gut," entgegneke der König, „so will ichDeinen Rath befolgen und dies Mal umkehren, ohne Dichweiter zu plagen."
Und so nahm er voller Unmuth und Zorn über dennur zu wohl erkannten Schimpf, der ihm widerfahrenwar, seinen Mantel und verließ das Zimmer mit der Ab-sicht, im Stillen den Thater zu erforschen, von dem ersich überzeugt hielt, er müsse zum Hause gehören undhabe, wer er auch immer sein möge, noch nicht entschlü-pfen können. Zu diesem Ende eilte er, eine Laterne miteinem kleinen Lichtchen in der Hand, nach einem langenSaale seines Palastes, in dem, oberhalb der Pferdestalle,fast seine ganze Dienerschaft in einer Menge Betten schlief.Er war überzeugt, wer das gethan hatte, wovon dieKönigin erzählt hatte, dem könne sich Puls und Herz-klopfen von der erlittenen Anstrengung noch nicht gelegthaben, und fühlte deshalb von einem Ende an der Reihenach einem Jeden mit der Hand auf die Brust, um dasSchlagen des Herzens zu erproben. Ob nun gleich alleUebrigen fest schliefen, so wachte doch Der, welcher bei derKönigin gewesen war, noch immer, und eine heftige Furchtbefiel ihn, da ec den König kommen sah und wohl errieth,