König Agilulf's Stallknecht. 243
Tode entgegenzugehen, schlug er mit Stahl und Stein,die er bei sich führte, ein wenig Feuer, zündete seine Kerzean und ging, nachdem er den Mantel zusammengeschla-gen und sich ganz darin eingehüllt hatte, auf die Kam-merthür zu, und klopfte zwei Mal mjt seiner Ruthe an.Eine Kammerfrau machte ihm noch ganz verschlafen dieThür auf, nahm ihm die Kerze aus der Hand und thatsie bei Seite, worauf er dann sogleich den Vorhang zu-rückschlug, den Mantel ablegte und in das Bette stieg,in welchem die Königin ruhte. Er umschlang sie verlan-" gend mit seinen Armen, stellte sich aber verdrießlich; dennder König hatte es an der Art, wenn er verdrießlich war,nichts mit sich reden zu lassen, und erkannte so, ohnedaß er oder sie ein Wort geredet hatten, zu wiederholtenMalen die Königin. Wie schwer es ihm auch ward, zuscheiden, so erhob er sich doch endlich aus Furcht, zulanges Verweilen möchte es nach sich ziehen, daß genosseneLust in Leiden sich verwandele, nahm Mantel und Kerze,ging, ohne den Mund zu öffnen, und köhrte, so schnell erkonnte, in sein Bette zurück.
, Kaum mochte er indeß dort angelangt sein, so stand1 der König auf und ging in das Schlafzimmer der Kö-
nigin, die über diesen zweiten Besuch nicht wenig sich ver-wunderte. Als er zu ihr ins Bette gestiegen war und siefreundlich begrüßt hatte, faßte sie um dieser Freundlichkeitwillen Muth und sagte: „Mein Herr und Gemahl, wasist das heute Nacht für eine Neuigkeit? Kaum seid Ihrvon mir gegangen und kehrt nun, nachdem Ihr überEure gewohnte Weise Euch mit mir ergötzt habt, so schnellzu mir zurück? Habt Acht, was Ihr thut."
, Als der König diese Worte hörte, vermuthete er so-gleich, die Königin sei durch ähnliche Gestalt und Klei-dung betrogen. Dann beschloß er in seiner Weisheit, da
weder die Königin, noch sonst Jemand es gewahr wor-
, den war, auch ihr nichts davon merken zu lassen. Viele
! wären thöricht genug gewesen, das nicht zu thun, sondern