Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
242
Einzelbild herunterladen
 

242 Dritter Lag. Zweite Geschichte.

Diese Weise glaubte er nun am paßlichsten in einem Ver-suche zu finden, ganz oder zum Theile an das Ziel seinerWünsche zu gelangen.

Zu diesem Endzweck unternahm er es nun nicht etwa,zur Königin von seiner Liebe zu reden, oder sich schriftlichihr zu entdecken; denn er wußte, daß Reden wie Schrei-ben vergeblich sein würden; vielmehr wollte er versuchen,ob er nicht durch List im Stande sein werde, eine Nachtbei der Königin zuzubringen. Mittel und Wege zu diesemUnternehmen waren indeß nicht anders zu finden, alswenn es ihm gelang, unter der Verkleidung des Königs, ,,von dem er wußte, daß er nicht jede Nacht bei ihr schlief,in ihr Zimmer und bis zu ihr selbst zu dringen. Des-halb verbarg er sich, um zu erfahren, auf welche Weiseund in welchem Anzuge der König seine Frau besuche,zu mehreren Malen Nachts in dem großen Saale desPalastes, der die Gemächer des Königs und der Königinvoneinander trennte. In einer dieser Nächte sah er end-lich den König, in einen großen Mantel gehüllt, einebrennende Kerze in der einen, in der andern -Hand eineGerte, aus seinem Zimmer treten, auf das der Königinzugehen und, ohne ein Wort zu reden, ein oder ein paar j

Mal mit der Gerte an die Thür schlagen. Dann öffnetesich alsbald die Thür, und dem Könige wurde die Kerzeaus der Hand genommen.

Als unser Stallknecht ihn so hatte eintreten und aufähnliche Weise zurückkehren gesehen, dachte er ihm genaunachzuahmen und wußte sich in dieser Absicht einen Man-tel, der dem des Königs glich, eine Kerze und eine Ruthezu verschaffen, und wusch sich dann im Bade, so sorg-fältig er nur konnte, damit der Stallgeruch die Königinnicht beschwere, oder sie den Betrug gewahr werden lasse.Hierauf verbarg er sich nach gewohnter Weise im großenSaale, und, als er sich überzeugte, Alles schlafe bereits,und es sei nun die Zeit gekommen, entweder seine Wünschezu verwirklichen, oder auf würdige Weise dem ersehnten ^