König Agilulf's Stallknecht. 241
Königs Autherik, einer sehr schönen, sittsamen und ver-ständigen Frau, vermählt, die nur mit einem Liebhabereinmal übel ankam. Als nämlich Agilulss Tapferkeit undVerstand die Angelegenheiten der Lombarden um Vielesgefördert und die Ruhe hergestellt hatten, geschah es, daßein Stallknecht der Königin, ein Mensch von der niedrig-sten Abkunft, der übrigens für scir gemeines Handwerkviel zu hohen Sinn hatte und schon und groß von Ge-stalt wie der König selber war, sich außer Maßen in dieKönigin verliebte. Da sein niedriger Stand ihm nichtdie Einsicht benommen hatte, diese seine Liebe streite gegenalle Sitte, war er verständig genug, sie gegen Niemandzu offenbaren; ja, er wagte nicht einmal, gegen die Kö-nigin durch Blicke sich zu verrathen. Obgleich er nun ohneeinige Hoffnung, ihr je zu gefallen, lebte, war er doch stolzdarauf, seinen Gedanken ein so hohes Ziel gesetzt zu ha-ben, und, ganz vom Feuer der Liebe entzündet, that er, weitmehr als einer seiner Cameraden, mit dem größten FleißAlles, wovon er glaubte, daß es der Dame lieb sein könnte.
So geschah es, daß die Königin, wenn sie auszureitenhatte, lieber als irgend ein anderes das von ihm besorgtePferd bestieg. So oft sich dies zutrug, meinte er, es seiihm die höchste Gnade widerfahren; er wußte nicht vomSteigbügel zu lassen, und er bäuchte sich glücklich, wenner nur ihre Kleider berührt hatte. Wie es aber nur zuoft geschieht, daß die Liebe um so mehr zunimmt, je ge-ringer die Hoffnung wird, so vermochte auch dieser armeStallknecht sein immer wachsendes Verlangen nicht mehrim Verborgenen zu ertragen und beschloß, da keine Hoff-nung ihm Hülfe versprach, und da er von dieser Liebesich loszumachen nicht im Stande war, vielmals bei sichselber, sich den Tod zu geben. Bei weiterem Nachdenken,wie er seinen Entschluß ausführen wolle, setzte er sich vor,auf eine Weise zu sterben, welche geeignet wäre, seinenTod als Folge der großen Liebe darzustellen, die ihn fürdie Königin durchdrungen hatte und noch durchdrang.
Dekameron. I. 'II