240 Dritter Tag. Zweite Geschichte-
jahrt, reich und, ohne die Beschwerde und die Kosten, denKindern Brot schaffen zu müssen, zum Vater geworden,nachdem er schlauer Weise seine Jugend gut zu benutzengewußt hatte, in eben die Heimat zurück, von der er, dieAxt auf der Schulter, ausgegangen war, und pflegte zusagen, so verfahre Gott mit Denen, die ihm Hörner auf-setzen.
Zweite Geschichte.
Ein Stallknecht schläft bei der Gemahlin des Königs Agilulf. DerKönig bemerkt es im Stillen, findet ihn und schneidet ihm dieHaare ab. Der Geschorene thut seinen Kameraden ein Gleichesund entgeht dadurch seinem Unstern.
Ästs die Geschichte des Philostratus, über welche die Da-men zuweilen erröthet waren, Andere aber auch gelachthatten, zu Ende war, gefiel es der Königin, daß Pam-pinea zu erzählen fortfahre. Sie begann mit Lächeln fol-gendermaßen: „Einige sind unverständig genug, zeigen zuwollen, daß sie merken und kennen, was ihnen nicht zuwissen dient, und oftmals vermehren sie alsdann ihreSchande um Vieles, wenn sie unbemerkte Sünde an An-dern rügen, während sie eben dadurch jene zu mildern dach-ten. Wie wahr dies sei, möge Euch der entgegengesetzteWeg, den ein großer König einzuschlagen so verständigwar, in folgender Geschichte beweisen, in der Ihr zugleichvon der Schlauheit eines Menschen erfahren werdet, denIhr vielleicht geringer haltet, als Masetto.
Agilulf, König der Lombarden, verweilte, wie seineVorgänger gethan, mit seinem Hofe in der lombardischenStadt Pavia. Er war mit Theodelinden, der Witwe des