Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
239
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gar nicht im Stande sind, ein Weib zu sättigen, wo ickdoch ihrer neune bedienen muß. Das halte ich für keinGeld in der Welt mehr aus, und ich bin durch meinebisherigen Dienste schon so weit heruntergekommen, daßich weder viel noch wenig mehr leisten kann. Drum laßtmich entweder in Frieden weiter gehen, oder helft derSache auf eine andere Weise ab." Als die gute Frauden vermeintlich Stummen reden horte, erschrak sie nichtwenig und sagte:Was Geier," ick dachte,Du wäreststumm."Madonna," antwortete Masetto,ich war es,aber nicht von Geburt. Eine Krankheit benahm mir dieSprache, und erst diese Nacht fühle ich sie mir wieder-gegeben und lobe Gott dafür von ganzem Herzen." Sieglaubte ihm und fragte, was er mit den Neunen sagenwolle, die er zu bedienen habe. Masetto erzählte die ganzeGeschichte. Die Aebtissin lernte durch sie, daß sie keineNonne habe, die nicht viel schlauer sei, als sie, und soentschloß sie sich (denn verständig war sie), mit ihrenMädchen übereinzukommen, ohne den Masetto fortzulassenund dadurch den Ruf des Klosters zu gefährden. Danun der Meier in jenen Tagen gestorben war, eröffnetensie sämmtlich einander, was bisher unter ihnen allen ge-schehen war, und verabredeten dann gemeinschaftlich, dieumwohnenden Leute glauben zu machen, Masetto habedurch ihr Gebet und durch die Gnade des Heiligen, demdas Kloster geweiht war, nach langem Stummsein denGebrauch seiner Zunge wiedererlangt. Dann machten sieihn zu ihrem Meier und vertheilten seine Anstrengungensolchergestalt, daß er sie auszuhalten vermochte. Auch be-trieben die Nonnen diese Angelegenheit so vorsichtig, daß,obgleich sie von ihm erzeugte Mönchlein in Menge zurWelt brachten, dennoch Niemand deswegen Verdacht faßte.Erst nach dem Tode der Aebtissin bekam Masetto, dereinstweilen nach gerade alt geworden war, Lust, mit demerworbenen Reichthum nach Hause zu ziehen, was ihmdenn auch leicht gewährt ward. So kehrte Masetto be-