Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

238 Dritter Tag. Erste Geschichte.

Daher wußten sie denn auch fernerhin ihre Zeit wahrzu-nehmen und erfreuten sich gar oft mit ihrem Stummen.

Eines Tages aber begab es sich, daß eine Kloster-schwester aus dem Fenster ihrer Zelle dem ganzen Hergangder Sache zusah und noch zwei Andere dazu rief. Zuerstwar davon die Rede, die Schuldigen bei der Aebtifsin ver-klagen zu wollen; dann aber änderten sie ihren Entschluß,wurden mit Jenen einig und zugleich mit ihnen derReich-thümer des Mafetto theilhaftig. Durch mancherlei Zu-falle kamen allmalig auch die Uebrigen drei dahin, ihnenGesellschaft zu leisten.

Zuletzt fand die Aebtifsin, die von diesen Geschichtennoch immer nichts bemerkt hatte, eines Tages, als sie beigroßer Hitze allein im Garten umherging, den Mafetto,den die Gartenarbeiten bei Tage und die Reitübungen beiNacht ganz erschöpft hatten, unter dem Schatten einesMandelbaumes hingestreckt schlafen. Der Wind hatte ihmdie Kleider vorne ganz zurückgeweht, fodaß er blos dalagund die Frau Aebtifsin Dinge sehen ließ, die in ihr dienämliche Lust, als in ihren Klosterjungfrauen, erregten.Da sie sich allein sah, weckte sie den Mafetto, führte ihnauf ihr Zimmer und behielt ihn dort mehrere Tage lang,wahrend die Nonnen sich bitter beschwerten, daß der Gärt-ner ihren Garten so lange unbestellt lasse. Die FrauAebtifsin aber kostete inzwischen zu vielen Malen jeneFreuden, die sie bisher an Andern immer verdammt hatte.Endlich schickte sie ihn in feine Wohnung zurück; wie sieihn aber oft wieder begehrte und mehr als ihren Antheilvon ihm forderte, der so Viele zugleich nicht zu befriedi-gen vermochte, däuchte es dem Mafetto, sein erdichtetesStummsein könne ihm, wenn er noch länger dabei bleibe,zu großem Unheil gereichen. Deshalb löste er in einerNacht, die er bei der Aebtifsin zubrachte, das Band seinerZunge und sprach:Madonna, wol habe ich gehört, daßein Hahn auf zekm Hühner vollkommen genug ist; manhat mir aber auch gesagt, daß zehn Männer kaum oder