Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

236 Dritter Tag. Erste Geschichte.

und bekümmerte sich um diese Neckereien wenig oder garnicht. Einmal traf sich's aber, daß zwei junge Nonnenbei Masetto, der nach vieler Arbeit sich zum Ausruhenein wenig niedergelegt hatte, wahrend sie im Garten lust-wandelten, vorüberkamen. Sie betrachteten ihn eine Weile,er aber stellte sich, als schliefe er.Höre," sagte die Eine,die etwas verwegen war,wüßte ich, daß man Dir trauenkönnte, so möchte ich Dir was sagen, was mir schonhundert Mal eingefallen ist, und was Dir vielleicht auchzu Gute kommen könnte."Sage nur getrost," ant-wortete Jene,gewiß ich werd' es Niemandem verrathen."

Darauf begann die Dreiste:Ich weiß nicht, ob Duwol schon darüber nachgedacht hast, wie wir so streng ge-halten werden, und wie sich kein Mann hierher trauendarf, außer unserm alten Meier und diesem Stummen.Und doch Hab' ich wol öfter von Weibern, die zu unsgekommen sind, gehört, daß alles Vergnügen auf derWelt eine Lumperei ist gegen die Wollust, wenn Einenein Mann beschlaft. Und so Hab' ich mir schon oft ge-dacht, da ich doch keinen Andern dazu kriegen kann, wollteich mit dem Stummen da Prokuren, ob das wahr ist.Er schickt sich auch am besten auf der Welt dazu; denn,wenn er auch wollte, könnte er es doch Niemandem wieder-erzahlen. Du siehst, es ist ein dummer Tölpel, der überden Verstand hinausgewachsen; und nun sprich, wasmeinst Du?"

Schäme Dich," antwortete die zweite,was führstDu da für Reden! Weißt Du nicht, daß wir unsereJungfrauschaft dem lieben Herrgott versprochen haben?"Ei, was," versetzte Jene,man verspricht alle Tage wolMancherlei, und kein Mensch denkt daran, es zu halten.Haben wir sie ihm versprochen, so wird sich wol die Eineoder die Andere finden, von der er sie statt unser kriegt."Mein Himmel," sagte die Gefährtin,wenn wir nunaber schwanger würden, was sollte dann werden?" Dieerste erwiderte:Nun denkst Du gar ans Unglück, noch