Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
222
Einzelbild herunterladen
 

222 Zweiter Lag. Zehnte Geschichte.

Du, selbst wider meinen Willen, die Gebieterin meinesHauses sein. Solltest Du denn wirklich um eines so un-mäßigen und unziemlichen Verlangens wegen Deine Ehreund mich, der ich Dich mehr als mein Leben liebe, zu-gleich von Dir stoßen wollen? Trost meines Lebens, ichbeschwöre Dich, sprich nicht mehr davon und komm mitmir nach Hause. Da ich Deine Wünsche jetzt kenne, willich mich ja von nun an recht anstrengen. Drum, meinsüßestes Herz, andere Deinen Entschluß und komm mitmir; seit Du mir geraubt bist, habe ich ja keinen frohenAugenblick gehabt."

Darauf antwortete die Dame:Um meine Ehre sollsich nur, nun es zu spat ist, Niemand mehr kümmern,als ich es selber thue. Hatten meine Eltern sie lieber imAuge gehabt, als sie mich Euch gegeben! Da sie sichaber damals nicht um meine Ehre gekümmert haben, sodenke ich's jetzt auch nicht um ihre zu thun. Begehe ich,wie Ihr sagt, jetzt eine todte Sünde, so werde ich schonein Mal lebendige begehn. Das überlaßt nur mir. Daswill ich Euch aber sagen, hier komme ich mir vor, wiePaganino's Frau, wahrend ich in Pisa glauben mußte,Eure Hure zu sein, wenn ich sah, wie unsere Planetennur nach Mondstellungen und geometrischen Berechnungenzusammenzubringen waren. Paganino, der hat mich hierdie ganze Nacht im Arme und drückt und beißt mich, undwie er mich zurichtet, das laßt Euch vom lieben Gott er-zählen. Ihr sagt, Ihr wollt Euch anstrengen. Zu wasdenn? Wollt Ihr ihn mit Schlägen auf die Beine brin-gen, um in drei Zügen matt zu sein? Ihr seid ja or-dentlich zu Kräften gekommen, weil Ihr mich die Zeitüber nicht gesehn. Geht, geht und strengt Euch an, amLeben zu bleiben. Ich glaube wahrhaftig, Ihr wohnt indieser Welt nur zur Miethe, so hüsterlich und gvttesjäm-merlich seht Ihr ja aus. Ich will Euch noch mehr sa-gen; wenn der mich ein Mal gehen läßt, wozu er, solange, als ich nur bei ihm bleiben will, noch keine Lust