218 Zweiter Lag. Zebntc Geschichte-
Monaco, wo er bald die Frau zu sehen bekam. Aberauch sie hatte ihn bemerkt; sagte es noch am selben Abenddem Paganino und kündigte diesem im Voraus ihren Ent-schluß an.
Am andern Morgen begegnete Herr Ricciardo demPaganino, machte sich an ihn und bewarb sich eifrig umdessen Vertraulichkeit und Freundschaft; Paganino aberstellte sich, als kenne er ihn nicht, und war dabei vollerNeugierde, wo das hinauslaufen wolle.
Ricciardo nahm eine Zeit wahr, die er für gelegenhielt, und entdeckte dem Paganino in so wohlgesetztenund freundlichen Worten, als er zu finden wußte, denGrund seiner Reise und bat ihn inständigst, gegen belie-bigen Ersatz, ihm die Frau wiederzugeben. Paganinoerwiderte darauf ganz freundlich: „Herr, zunächst seid mirwillkommen. Was das Andere betrifft, so antworte ichEuch mit kurzen Worten. Allerdings habe ich eine jungeFrau im Hause, von der ich nicht weiß, ob sie Euer, odereines Andern Frau ist, denn Euch kenne ich überall nicht,sie aber erst seit der kurzen Zeit, daß sie mit mir zusam-menwvhnt. Seid Ihr nun ihr Mann, so will ich Euch,als einen artigen und wackeren Mann, wofür ich Euchhalte, zu ihr führen und zweifle nicht daran, daß sie Eucherkennen wird. Sagt sie dann Dasselbe, was Ihr mirjetzt gesagt, und will sie mit Euch heimkehren, so bin ich,Eurer Artigkeit wegen, zufrieden, daß Ihr mir als Löse-geld für sie gebet, was Ihr selber für recht halten werdet.
Sollte Dem aber nicht so sein, so wäre es unziemlich
von Euch, wenn Ihr sie mir entreißen wolltet; denn ichbin noch ein junger Mann und kann mir so gut als einAnderer ein Frauenzimmer halten, vor Allen aber ebendiese, die die liebenswürdigste unter Allen ist, die ich jegesehen habe." Darauf sagte Herr Ricciardo: „Wahrhaftig,sie ist meine Frau, und wenn Du mich nur zu ihr führst,
so wirst Du schon sehen, wie sie mir gleich um den Hals