Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
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Ricciardo von Chinzica.

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Frauen zu Hause die Hände in den Schoß legen; alsob wir, die wir unter den Frauen auf die Welt kommenund groß werden, nicht wüßten, wonach sie Verlangentragen. So will ich Euch denn in meiner Geschichte zugleicher Zeit die Thorheit solcher Leute und die noch größereeiniger Andern bemerklich machen, di? sich für vermögenderhalten, als die Natur selber, und mit fabelhaftem Ge-schwatze bewirken zu können glauben, was nicht in ihrerMacht liegt, und nach ihrer Constitution-, die Anderenvöllig widerstrebt, diese umformen wollen.

In Pisa nämlich lebte einmal ein Richter, der mehrmit Kenntnissen als mit körperlicher Kraft begabt war undHerr Ricciardo von Chinzica genannt ward. Dieser mochtesich wol einbilden, daß einer Frau dieselben Fähigkeitengenügen, die zum Lehramt erfordert werden, und suchtesich im Vertrauen auf seinen ansehnlichen Reichthum mitallem Eifer eine schöne und junge Frau; wahrend er doch,wenn er sich selbst so gut zu berathen gewußt hätte, wieFremde, das Eine sowol als das Andere sorgfältig hattevermeiden sollen. Jndeß wurden seine Wünsche erfüllt.Herr Lotto Gualandi gab ihm eine seiner Töchter, Na-mens Bartolomea, eines der hübschesten und munterstenMädchen in Pisa, zur Frau, wo doch die meisten soniedlich und so flink sind wie die Eidechsen. Der Richterholte sie mit den größten Festlichkeiten ein und feierte eineglänzende und prachtvolle Hochzeit. Auch setzte er in derBrautnacht ernstlich darauf an, die Ehe zu vollziehen; dochfehlte wenig daran, so wäre er wenn nicht matt, dochpatt geworden, und am andern Morgen mußte er sich,mager und ausgedörrt und kraftlos wie er war, mit rothemWein und stärkendem Gebäck und andern Aufregungs-mitteln wieder einigermaßen ins Leben zurückcufen.

Durch diese nächtlichen Erfahrungen lernte der HerrRichter seine Kräfte richtiger anschlagen, als er es zuvorgethan, und er begann in Folge dessen, seiner Frau einenKalender vorzutragen, der den Schulkindern wol gefallen