214 Zweiter Tag. Zehnte Geschichte.
allein mit unsäglichen Schmerzen unter den Stichen derFliegen, Wespen und Bremsen, deren sich in jenem Landebesonders viele finden, seinen Geist aufgeben müssen, son-dern sein Leichnam ward auch bis auf die Knochen vonihnen verzehrt. So blieben die weißen Gebeine, von denSehnen zusammengehalten, noch lange Zeit unangerührtdem Vorübergehenden ein Aeugniß von Ambrogiuolv'sBosheit, und so bewährte sich das Sprüchwort: wer An-dern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Zehnte Geschichte.
Paganino von Monaco raubt dem Herrn Ricciardo von Chinzicaseine Frau. Dieser erfährt, wo sie sei, befreundet sich mit Pa-ganino und fordert sie von ihm wieder. Paganino verspricht sieihm, wenn sie wieder zu ihm wolle. Sie hat aber keine Lust, zuihm zurückzukehren, und wird nach Herrn Ricciardo's Tode Pa-ganino's Frau.
-Feder von der werthen Gesellschaft rühmte die Geschichte,welche die Königin erzählt, als besonders schön; vor Allenaber Dioneus, dem für den heutigen Tag die Mühe desErzählens allein noch oblag. Sv begann er denn nacheinem ausführlichen Lobe seiner Vorgängerin also zu re-den: „Schöne Damen, eine Stelle in der Geschichte derKönigin hat mich veranlaßt, eine, die mir im Sinne lag,jetzt beiseite zu lassen und dafür eine andere zu erzäh-len. Ich meine nämlich die durch den glücklichen Aus-gang nicht gemilderte Dummheit des Bernabo, daß er sicheinreden konnte, wie manche Andere es mit ihm thun,während sie in der Welt herumreisen und sich bald mitdieser und bald mit jener die Zeit vertreiben, werden ihre