Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
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Frau Ginevra Lomellino.

kannte die Wahrheit und überhäufte die Lebensweise, dieStandhaftigkeit, die guten Sitten und die Tugenden Gi-nevra's, die bis dahin Sicurano genannt worden war,mit den höchsten Lobsprüchen. Dann ließ er ihr anständige,weibliche Kleidungsstücke bringen, versah sie, nach ihrerBitte, mit Frauen, die ihr Gesellschaft leisteten, undschenkte dem Bernabö sein verwirktes Leben. Dieser aberhatte sie kaum erkannt, als er sich weinend zu ihren Füßenwarf und sie um Verzeihung bat, die sie ihm denn auch,so wenig er sie verdient hatte, freundlich gewährte, ihnaufstehen hieß und zärtlich ihn als ihren Gemahl um-armte.

Darauf befahl der Sultan sogleich, daß Ambrogiuoloan einen erhabenen Platz der Stadt geführt, dort in derSonne nackend an einen Pfahl gebunden und mit Honigbestrichen werde, um nicht eher von dort wieder losgebun-den zu werden, als bis seine Gebeine von selber aus denBanden sielen. Als dieser Befehl des Sultans vollzogenwar, ließ er Alles, was bisher dem-Ambrogiuolo gehört,als ein Geschenk der Frau überantworten, und es fand sich,daß dieses nicht weniger als zehntausend Doublonen be-trug. Dann ordnete er ein herrliches Fest an, bei wel-chem er den Bernabö als den Mann der Frau Ginevra,diese aber als ein Muster trefflicher Frauen ehrte und ihran Schmuck, goldenen und silbernen Gefäßen und baaremGelds mehr denn zehntausend Doublonen an Werth schenkte.Als das Fest ein Ende genommen, rüstete er ein Schiffaus und beurlaubte sie, nach Gefallen auf diesem nachGenua zurückzureisen. So kehrten sie denn reich und frohin ihre Heimat und wurden dort auf das ehrenvollsteempfangen; besonders aber Frau Ginevra, die von Allentodt geglaubt worden war, und nun, so lange sie lebte,wegen ihrer Tugenden und ihres Verstandes allgemein ge-rühmt ward.

Ambrogiuolo war noch am selben Tage an den Pfahlgebunden und mit Honig bestrichen worden und hatte nicht